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Leere Freibäder, bedrohte Ernten, wenig Umsatz: Wechselhafter Sommer sorgt für Frust

Graue Wolken, Regengüsse, kühle Temperaturen und nur paar Stunden Sonnenschein: Der extrem wechselhafte Sommer hält die Menschen in Deutschland nicht nur von Biergärten und Freibädern fern, auch die Wirtschaft leidet.

Sommerkleidung wird zunehmend zum Ladenhüter, die Landwirte schauen wegen der anstehenden Ernte besorgt gen Himmel. Dabei ist der Sommer nach Angaben der Wetterexperten bislang gar nicht außergewöhnlich schlecht - sondern liegt so ziemlich im Durchschnitt.

Das kann die Deutschen, die derzeit rasant zwischen Badelatschen, Regencape und Fleecejacke wechseln, aber kaum trösten. "Die meisten verbinden Sommer mit Wärme und nicht mit Regen", sagt Christina Koppe, Medizinmeteorologin beim #Link;http://www.stern.de/reise/dwd-90268096t.html;Deutschen Wetterdienst# (DWD). Diese Erwartungshaltung aber werde bei vielen enttäuscht, und das schlage auf die Psyche. Wetterbedingter Frust sei die Folge.

Das spürt auch Thomas Podeyn. Der Leiter des Leipziger Schreberbades hat momentan viel Zeit zum Hecken schneiden und Rasen mähen. "Wenn das Wasser von oben kommt, kümmern wir uns um die Pflege der Anlage, wenn es trocken ist, um die Badegäste", sagt er. Podeyn freut sich über jeden Besucher, der sich ins Freibad wagt. Am Sonntag kamen 60, am Samstag sogar nur 20. "An normalen Tagen haben wir mindestens 600 Badegäste, an guten Tagen mehr als 1200", sagt er.

Laut Martin Gräfe von der Sportbäder Leipzig GmbH haben in dieser Saison bislang knapp 27.000 Menschen die vier Freibäder der Stadt besucht. 2011 waren es - in den damals fünf Freibädern - etwa doppelt so viele. Gräfe gibt die Hoffnung aber nicht auf. "Irgendwann muss es doch Sommer werden."

Verschärfte Rabattschlacht beim Schlussverkauf

Mit dem Wetter hadert auch der Textilhandel. Die Händler werden ihre Sommerware nicht los. "Die Geschäfte laufen schlecht", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des #Link;http://www.stern.de/panorama/deutschen-textileinzelhandels-91487106t.html;Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels# (BTE), Siegfried Jacobs, der "Welt". Die Folge sei eine #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/vorgezogene-rabattschlacht-bei-sommerbekleidung-1858479.html;verschärfte Rabattschlacht#. Mit Beginn des Sommerschlussverkaufs am kommenden Montag sei mit weiteren Nachlässen auf die ohnehin schon recht niedrigen Preise zu rechnen.

Auch viele Bauern sind "übernervös", weil sie wegen der ständigen Regengüsse nicht ernten können. In vielen Regionen seien Gerste und Winterraps reif, doch es sei einfach zu nass, sagt Michael Lohse, Sprecher des #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/familie/deutschen-bauernverband-91409624t.html;Deutschen Bauernverbandes# (DBV). Je nach Boden dauere es ein bis drei Tage, bis die Felder abgetrocknet seien. Steht das Getreide zu lange, drohen Qualitätseinbußen.

Eine gemischte Zwischenbilanz zieht die Gastronomie. Das teils kühle und regnerische Wetter habe vor allem den Freisitzen und Biergärten bislang keine optimale Saison beschert, heißt es beim #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/familie/hotel-und-gaststaettenverband-90377377t.html;deutschen Hotel- und Gaststättenverband# (DEHOGA). Andererseits hätten Gastwirte mit Innengastronomie profitiert.

"Ganz normaler mitteleuropäischer Sommer"

Gleichwohl werden die Meteorologen nicht müde zu versichern, dass dies ein "ganz normaler mitteleuropäischer Sommer" ist. Der sei eben nicht von langen Trocken- oder Hitzeperioden geprägt, sondern von einem Auf und Ab der Temperatur mit immer wiederkehrenden Niederschlägen. Zudem war laut DWD die erste Sommerhälfte 2012 sogar um 0,2 Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt. Die Regenmenge lag bei etwa der Hälfte der zu erwartenden Menge, nur der Sonnenschein kam bisher tatsächlich zu kurz.

Für die Gesundheit sind gemäßigte Sommertemperaturen ohnehin besser. "Hitze und Schwüle belasten viele Menschen deutlich stärker", betont DWD-Expertin Koppe. Auf wetterfühlige Menschen etwa mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne sich das wechselhafte Wetter allerdings negativ auswirken, weil sich der Organismus ständig neu umstellen müsse. Als Folge könnten Blutdruckprobleme, Müdigkeit oder Schlappheit auftreten. Auch Migräne-Patienten haben mitunter mehr Probleme.

"Man sollte dem Wetter etwas Positives abgewinnen, rausgehen und sich bewegen", empfiehlt Koppe. Immerhin: In der kommenden Woche könnte es laut DWD-Prognose trockener und etwas wärmer werden.

Von Andrea Hentschel, AFP / AFP
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