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Lehrerhasserbuch: Zum Teufel mit der Kuschelpädagogik

Lehrer sind wehleidig, faul, lasch oder alles zusammen. Das behauptet die Autorin Gerlinde Unverzagt nach über 20 Jahren Schulalltag mit ihren vier Kindern.

Im Dezember erschien ein Büchlein mit dem Titel "Lehrerhasserbuch - eine Mutter rechnet ab". Es verkaufte sich leidlich, keiner regte sich auf. Das Werk schien bald in den Regalen zu verstauben. Wenige Monate später ist es in aller Munde und spaltet die Nation. Die Autorin Gerlinde Unverzagt hatte ihr Buch unter dem Pseudonym Lotte Kühn geschrieben - um ihre Kinder zu schützen, zu Recht wie sicht jetzt zeigt. Dann hatte sie sich zu erkennen gegeben und ein Aufschrei der "Prügelknaben der Nation" geht durch das Land. Und das Lehrerhasserbuch wird fast über Nacht zum Bestseller.

Lotte Kühn, alias Gerlinde Unverzagt, zieht darin über Lehrer her, spielt mit sämtlichen Klischees und Vorurteilen: Lehrer sind wehleidig, faul, viel zu lasch oder alles zusammen. Aber treffend und witzig ist das Buch, wenn die Autorin bizarre Beispiele aus dem fast 26-jährigem Schulalltag ihrer vier Kinder schildert.

Nur gehätschelt, gebastelt und rumgealbert

Wenn zum Beispiel alle Mütter Schuhe mit Klettverschlüssen für ihre Kinder kaufen müssen, damit sich diejenigen nicht diskriminiert fühlen, die noch keine Schleife binden können. Wenn die Grundschullehrerin drei Jahre lang propagiert, es sei egal, wie jemand schreibt, wie das Kind es macht, ist es richtig. Am Ende der Grundschule verlangt dieselbe Lehrerin dann plötzlich, dass die Eltern den Kindern zu Hause die Rechtschreibregeln beibringen, sonst werde das wohl nichts mit dem Gymnasium.

Mit gutem Recht kritisiert Frau Unverzagt auch die Auswüchse einer Kuschelpädagogik, die statt zu unterrichten in Matschecken und Klangmulden spielen und keine Noten, sondern alberne Sternchen und schwammige Beurteilungen verteilen. Überall wird nur gehätschelt, gebastelt und rumgealbert.

Drei Wochen lang hat sie ihre beiden älteren Kinder mitschreiben lassen, was Lehrer so von sich geben. Das Ergebnis ist auf zwei Seiten unter der Überschrift "Lehrermund tut Wahrheit kund" in ihrem Buch nachzulesen. Da stehen dann Sprüche wie "Du bist doch zu doof, um eins und eins zusammenzuzählen", "Ihr Schweine" und "so was geht aufs Gymnasium".

Lehrer hassen zurück

Nachdem bekannt wurde, dass sie das Lehrerhasserbuch geschrieben hat, entlud sich der Zorn der Pädagogen auf ihre Kinder. Ein Lehrer hatte ihren 16-jährigen Sohn vor der gesamten Klasse auf das "gemeine" Buch der Mutter angesprochen. Mit nach Hause brachte der Junge den Brief eines anderen Pädagogen, versehen mit einem weinenden Smiley. Darin beklagte sich der Verfasser, der selbst in dem Buch vorkommt, das Werk sei "unfair". Ihr jüngster Sohn und ihre jüngste Tochter kamen mit Hals- und Bauchschmerzen nach Hause. Nur bei der 13-jährigen Tochter war alles wie gehabt. Auf die Frage "Wie war's in der Schule" habe sie geantwortet: "Doof - wie immer."

Die beleidigten Lehrer rotten sich in Internet-Foren zusammen, schreiben empörte online-Rezensionen und lecken gemeinsam ihre Wunden. Die Pädagogen zücken jetzt auch die juristische Keule. Der Berufsschullehrer Axel Stommel hat gegen sie Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Sie störe den öffentlichen Frieden. Außerdem rufe sie zum Hass gegen eine Berufsgruppe auf. Gelesen hat er das Buch natürlich nicht.

Gerlinde Unverzagt wendet sich gegen diese Vorwürfe. "Hass ist nun wirklich nicht mein Ding", aber das Wort sei vom Verlag nun mal für die Reihe vorgesehen. Und im übrigen so ernst zu nehmen wie der Satz "Ich hasse kratzige Pullover".

sh
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