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Leihmutter-Skandal in Australien: Kinderschutzbehörde nimmt Gammys Eltern ins Visier

Der Vater des bei einer Leihmutter zurückgelassenen Babys soll wegen Missbrauchs vorbestraft sein - die australische Kinderschutzbehörde ermittelt. Man ist besorgt um das Wohl der Zwillingsschwester.

Baby Gammy hat Down-Syndrom sowie einen Herzfehler. Er wurde von seinen australischen Eltern bei der Leihmutter in Thailand zurückgelassen.

Baby Gammy hat Down-Syndrom sowie einen Herzfehler. Er wurde von seinen australischen Eltern bei der Leihmutter in Thailand zurückgelassen.

Im Fall der Eltern von in Thailand geborenen Leihmutter-Zwillingen ermitteln nun die australischen Kinderschutzbehörden. Es gehe um die Sicherheit und das Wohlergehen des sieben Monate alten Mädchens in der Obhut des Ehepaars, sagte ein Behördensprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP und des Senders ABC.

Behördenmitarbeiter hätten demnach am Dienstag mehrfach das Haus des Paares in der Stadt Bunbury aufgesucht, aber niemanden angetroffen. Der Vater des Kindes ist wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft.

Im Rahmen der Ermittlungen sollen Gespräche mit den Betroffenen geführt sowie Informationen bei der Polizei und Familienangehörigen eingeholt werden, teilte die Kinderschutzbehörde mit. "Wir sind dazu befugt, Kinder aus Familien zu nehmen, wenn es bedeutende und unmittelbare Sorge um ihr Wohlergehen gibt", sagte ein Sprecher.

Der Fall der Zwillinge macht internationale Schlagzeilen. Die 21-jährige thailändische Leihmutter Pattaramon Chanbua hatte die Kinder ausgetragen. Der Junge, Gammy, wurde mit Down Syndrom und einem Herzfehler geboren, das Mädchen war gesund. Chanbua wirft den Eltern vor, nur das Mädchen mitgenommen und den kleinen Gammy im Stich gelassen zu haben. Die Australier bestreiten die Vorwürfe.

Fall lösst Debatte über Leihmutterschaften aus

In Deutschland diskutiert man derweil darüber, ob Leihmutterschaften verboten bleiben sollten oder nicht. Jürgen Rast, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten, plädiert für eine Legalisierung von Leihmutterschaften in bestimmten Fällen. Unter Umständen solle das bestehende Verbot nicht mehr gelten.

"Wenn Paare kein Kind bekommen können, ist es meiner Meinung nach aus humanitären Gründen akzeptabel, ihnen doch so diese Möglichkeit zu eröffnen. Wenn das Prinzip der Leihmutterschaft allerdings zum Geschäft ausartet, ist es strikt abzulehnen", sagte Rast. In Russland und Thailand gebe es etwa Einrichtungen, die junge, gebärfähige Frauen regelrecht vermieteten.

Verbandspräsident Rast berichtete von Fällen in deutschen Standesämtern, bei denen Eltern versuchten, von Leihmüttern ausgetragene Babys mit ausländischen Geburtsurkunden in Deutschland anzumelden. Dieses Vorgehen ist aber illegal. "Einige Eltern gehen aber auch so vor, dass es oftmals gar nicht auffällt."

Leihmutterschaften in Deutschland strafbar

Die Vermittlung von Leihmüttern ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das Embryonenschutzgesetz verbietet Ärzten zudem, Leihmutterschaften zu betreuen. Das bedeutet für Paare mit Kinderwunsch, bei denen die Frau kein Kind austragen kann: Sie müssen versuchen, ein Kind zu adoptieren.

Gleiches gilt für homosexuelle Paare. Oder sie müssen ins Ausland ausweichen, wo andere Gesetze gelten. Liberaler werde das Thema etwa in den Niederlanden, Großbritannien und Griechenland gehandhabt, sagte Rast. Eine kommerzielle Leihmutterschaft erlaubten etwa die Ukraine, Russland und Indien.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe bezeichnete den Fall des kleinen Gammy als "Warnsignal". "Der Fall der thailändischen Leihmutter zeigt, dass bezahlte Leihmutterschaft letztlich Menschenhandel ist. Denn ein Vertrag verpflichtet die Leihmutter zur Herausgabe des Kindes und regelt die ihr dafür zustehende Bezahlung."

kis/DPA/AFP / DPA