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Leihmutter-Skandal in Australien: Reporter finden vermeintliche Eltern von Baby Gammy

Reporter haben die vermeintlichen Eltern von Baby Gammy ausfindigt gemacht. Ein australisches Paar hatte den kranken Säugling bei der Leihmutter zurückgelassen, es streitet alle Vorwürfe ab.

Der Fall von Baby Gammy hatte vergangene Woche weltweit Aufsehen erregt: Jetzt haben Reporter in Australien die vermeintlichen Eltern des in Thailand bei einer Leihmutter im Stich gelassenen kranken Kindes aufgespürt. Die beiden hätten zwar eine Tochter, die Gammys Zwillingsschwester sein könne, stritten aber ab, die Eltern des Jungen zu sein, berichtete der Sender Channel 9.

Dem Sender ABC sagte der Mann, das Krankenhaus habe den Jungen nie erwähnt. Die Leihmutter in Thailand berichtete dagegen, der Vater habe das Mädchen im Krankenhaus besucht, den Jungen, der das Down Syndrom hat, aber keines Blickes gewürdigt. Nach Angaben von Channel 9 beschrieben die Eltern die Leihmutterschaft als eine unangenehme, "traumatisierende" Erfahrung.

Die Thailänderin behandelt Gammy wie ihre eigenen Kinder. "Trotz dieser bedrückenden Situation ist es ein Segen, dass wir zusammen sind", sagte Chanbua der Nachrichtenagentur AFP. Sie hat bereits einen sechsjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter.

Sollten die biologischen Eltern das Baby nach Australien holen wollen, sei Chanbua damit einverstanden - aber nur, wenn sie Gammy mit gleicher Liebe behandelten wie sie selbst es tue, wird die Frau von Channel 9 zitiert. Gammy erholte sich am Montag von einer Lungenentzündung im Krankenhaus.

Leihmutter wollte keine Abtreibung

Medienberichten zufolge hatte ein australisches Paar in Thailand die 21-Jährige für umgerechnet 11.100 Euro als Leihmutter angeworben. Nach eigenen Worten wollte die junge Frau damit Schulden begleichen und die Ausbildung ihrer beiden eigenen Kinder finanzieren. Doch als sie im Dezember Zwillinge zur Welt brachte, nahm das australische Paar laut Medienberichten nur die gesunde Schwester des Jungen bei sich auf. Der behinderte Junge mit Down-Syndrom und einem lebensgefährlichen Herzfehler wurde demnach bei der Leihmutter in Thailand zurückgelassen.

Laut der Zeitung "Fairfax Media" hatte ein Vermittler die Leihmutter aufgefordert, das Baby abzutreiben, als die Erkrankung mit dem Down-Syndrom bekannt wurde. Pattaramon lehnte eine Abtreibung aber wegen ihres buddhistischen Glaubens ab, wie sie der Zeitung sagte.

140.000 Euro Spenden für Gammy

Der Fall hat eine Welle von Spenden ausgelöst: Bis Sonntag gingen umgerechnet gut 142.000 Euro zur Behandlung des kleinen Jungen ein, wie eine australische Hilfsorganisation mitteilte.

Australiens Einwanderungsminister Scott Morrison lobte Chanbua als "Heilige" und "absolute Heldin". Sie und ihr Sohn hätten eine "schreckliche, einfach nur fürchterliche und herzzerreißende" Behandlung erfahren, sagte Morrison dem Radiosender 2GB. Zwar gebe es "viele Australier, die unbedingt Eltern werden wollen, aber das rechtfertigt nicht, was wir hier erlebt haben".

kis/DPA/AFP / DPA