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Leipzig: Polizei sucht Michelles Mörder

Einen Tag nach dem Fund der getöteten achtjährigen Michelle in Leipzig fahndet die Polizei weiter fieberhaft nach dem Täter. Die Sonderkommission wurde auf 180 Mitarbeiter aufgestockt. Mittlerweile ist klar: Das Mädchen ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.

Die achtjährige Michelle aus Leipzig ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Das habe die Obduktion der Leiche ergeben, die in einem Teich gefunden wurde, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl. "Noch ist die Obduktion nicht beendet." Die Staatsanwaltschaft gehe aber von einer Gewaltstraftat aus. Weitere Ergebnisse der Obduktion lägen noch nicht vor oder könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgegeben werden.

Strobl betonte: "Es geht jetzt darum, den Täter dingfest zu machen und zur Verantwortung zu ziehen." Gemeinsam mit Landespolizeipräsident Bernd Merbitz bat er um Verständnis, dass die Polizei nicht alle ihr bekannten Details zu der Tat veröffentlichen könne, weil das die Suche nach dem Täter erschweren würde. Das betreffe die Todesart, den Todeszeitpunkt und die Frage, ob das Mädchen sexuell missbraucht oder vergewaltigt wurde. Strobl fügte hinzu: "Wir möchten kein Täterwissen bekannt geben, so lange er frei herumläuft." Beide betonten, dass jetzt alle Polizeikräfte eingesetzt würden, um den Täter zu fassen.

Die Eltern des Kindes haben ihre Tochter nach Angaben der Polizei bisher nicht identifiziert. Ob sie das tun werden, sei ganz allein ihre Entscheidung, sagte Strobl. "Nach menschlichen Ermessen" handele es sich wegen der Übereinstimmung bei Kleidung und Beschreibung bei der Leiche um Michelle. Juristisch sei das erst sicher, wenn eine DNA-Probe vorliege.

Seit Montag vermisst

Michelle war am Montagnachmittag auf dem Heimweg nach der Ferienbetreuung in ihrer Schule verschwunden - nur wenige Gehminuten von ihrem Zuhause im Ostteil Leipzigs entfernt. Seither hatte die Polizei mit einem Großaufgebot an Beamten, Hunden, Pferdestaffeln und einem Hubschrauber nach ihr gesucht, bis am Mittag ein Spaziergänger die Leiche entdeckte.

Zur Sonderkommission gehörten bisher mehr als 160 Polizisten, künftig sollen es knapp 180 sein. Rund 180 Häuser und andere Gebäude seien durchsucht worden, teilte die Polizei mit. Polizisten hätten 1400 Nachbarn befragt.

Der Hinweis auf die Leiche im Stadtteil Stötteritz war am Donnerstagmittag gegen 12.30 Uhr von einem Spaziergänger gegeben worden. Daraufhin war das Gewässer im "Stötteritzer Wäldchen" großräumig abgesperrt worden. Bevor der leblose Körper geborgen werden konnte, hatten Spezialisten der Kriminalpolizei mehrere Stunden lang Spuren gesichert und die Umgebung abgesucht. Fährtensuchhunde von Staffeln auch aus anderen Bundesländern sollten Geruchsspuren aufnehmen. Knapp 100 Schaulustige und viele Journalisten verfolgten die Arbeit der Ermittler vom Rande des Parks aus.

Im Februar 2007 war in Leipzig der neunjährige Mitja missbraucht und ermordet worden. Videobilder aus einer Straßenbahn brachten damals den Hinweis auf den Täter, der in der Bahn neben dem Jungen gesessen hatte und von der Polizei als verurteilter Kinderschänder identifiziert wurde. Der 43-jährige Täter wurde im September 2007 vom Landgericht Leipzig zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt - der höchstmöglichen Strafe.

DPA/AP / AP / DPA