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Lotto-Millionäre: Nur "Glücksstifter" werden froh

Der Niedergang von "Lotto-Lothar" oder der Tod eines Millionengewinners im Obdachlosenasyl - diese und ähnliche Schicksale belegen immer wieder: Vorsicht vor den Lotto-Millionen.

Das vermeintliche Glück eines Mega-Gewinns kann ganz schnell zu einer nicht zu bewältigenden Herausforderung werden. "Wenn jemand schockartig reich wird, dann braucht er dringend professionelle Hilfe", betont Glücksforscher Stephan Lermer. Neben einem finanziellen Berater sei ein "Life-Coach" nötig - damit das Ende des Millionen-Traums nicht bitter ist.

Psychologisch erwiesen ist nach den Worten des Münchner Experten: "Wird das Geld im reinen Konsumrausch ausgegeben, dann fühlt sich der plötzliche Neu-Millionär nach spätestens einem Jahr wieder genauso wie zuvor." Denn: "Nicht der Lebensstandard, sondern die Lebensqualität sind Maßstab für das eigene Glück." Und der Sozialarbeiter Christoph Lau, der für sein Buch "Relativitätstheorie des Glücks" (2005) 14 Lottomillionäre befragt hat, spricht von "emotionaler Inflation" nach einem derartigen Gewinn.

Der Schlüssel für das Glück eines Lottomillionärs sei, sinnvoll mit dem Geld umzugehen, betont Lau. Auch Psychologe Lermer ist sicher, dass etwa der aktuelle Rekordjackpot von 35 Millionen Euro nur dann langfristig zufrieden machen kann, wenn sich der Gewinner als "Glücksstifter" betätigt und wirklich etwas in seinem Leben bewegt. "Das kann die Gründung eines SOS-Kinderdorfes sein, aber auch eine eigene Weltreise" - es dürfe nur nicht darum gehen, andere Menschen mit dem eigenen Reichtum beeindrucken zu wollen.

Vom Arbeitslosen zum Millionär und ins Grab

Und genau diesen Fehler hatte offenbar der berühmt-berüchtigte "Lotto-Lothar" aus Hannover begangen. Als er 1994 umgerechnet rund zwei Millionen Euro gewann, war Lothar K. arbeitslos. Dann machte er seinen Reichtum öffentlich und ließ Medien an seinem nun rauschenden Leben teilhaben: Statt billigem Dosenbier trank er Markenpils, kaufte einen Lamborghini und liebte fortan vor allem Alkohol, Partys und schöne Frauen - wenige Jahre später war Lothar K. tot.

Lotto-Gewinner starb im Obdachlosenasyl

Auch einer der ersten deutschen Lotto-Gewinner wurde nicht richtig glücklich. Der Hotelbesitzer hängte 1956 ein Schild vor die Tür: "Wegen Reichtums geschlossen." - Er starb später im Obdachlosenasyl. Und Ende 2004 machte in Thüringen ein Serien-Einbrecher von sich reden, der acht Jahre zuvor umgerechnet etwa 750 000 Euro im Lotto eingeheimst haben soll. Angeblich war davon nichts mehr geblieben als der Hunger nach Luxus. "Geld zur Bank und Schnauze halten", lautet daher die "Glücks-Devise" für jeden Lottomillionär.

Glücks-Devise: Geld zur Bank

"Spektakulär den Job hinwerfen oder den großen Wagen kaufen, das ist der falsche Weg", betont Lermer. Stattdessen sollte der Gewinner ganz in Ruhe seine Kindheitsträume überdenken und auch anderen "Glück" schenken. So gibt es denn auch positive Meldungen über Lottomillionäre in Deutschland: Ein 45 Jahre alter Bauunternehmer aus dem Ruhrgebiet hat etwa mit einem Millionengewinn die Existenz seiner Firma - und damit zahlreiche Arbeitsplätze - sichern können. Auch andere Unternehmensrettungen dank Lotto-Millionen sind bekannt.

Wird das Lotto-Glück zur Schau getragen, kann es dagegen zum persönlichen Niedergang führen. So weiß Lau aus seinen Recherchen unter Lottomillionären: "Es ist nahezu unmöglich, das Erdbeben an öffentlicher Wahrnehmung und die Begehrlichkeiten von vermeintlichen Freunden zu händeln."

DPA / DPA