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Erstes Loveparade-Zivilverfahren Richter sieht keine Chance für klagenden Feuerwehrmann


Der Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe vor fünf Jahren machte ihn schwer krank und berufsunfähig - deshalb klagt ein Feuerwehrmann in Duisburg auf Entschädigung. Zum Prozessauftakt machte ihm das Landgericht allerdings wenig Hoffnung.

Im Prozess um eine Entschädigung für seinen Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe hat das Duisburger Landgericht einem Feuerwehrmann wenig Hoffnung gemacht. "Wir sehen für Ihre Klage keine Aussicht auf Erfolg", sagte der Vorsitzende Richter zum Auftakt der Verhandlung. "Bei Ihnen geht es um ein typisches Berufsrisiko, aus unserer Sicht." 

Es ist das erste Zivilverfahren nach der tödlichen Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg vor fünf Jahren. Ein 53-jähriger Feuerwehrmann will 90.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Land und vom Veranstalter erstreiten. Nach den Worten seiner Anwältin Bärbel Schönhof erlitt er bei dem Einsatz am 24. Juli 2010 eine posttraumatische Belastungsstörung und kann seitdem nicht mehr arbeiten. 

"Ich bin kein Handlanger", sagte der Feuerwehrmann vor Prozessbeginn. "Ich muss mich nicht in eine Lage schicken lassen, bei der von vornherein klar und bewiesen ist, dass das niemals hätte gutgehen können." Er sei schwer krank geworden und wolle seinen Schaden ersetzt bekommen. 21 Menschen waren bei dem Technofestival im Gedränge ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt.

"Keine Fehler von Polizisten"

Der Anwalt des beklagten Landes Nordrhein-Westfalen, Ingo Minoggio, hält die Forderungen an das Land für ungerechtfertigt. Es gebe keine Fehler von beteiligten Polizeibeamten, sagte er. Der Anwalt des Veranstalters wollte sich nicht äußern. Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung hat das Landgericht noch nicht entschieden, ob es die Anklageschrift wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zulässt. Beschuldigt sind zehn Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters.  Neben dem Antrag des Feuerwehrmannes sind acht weitere Zivilklagen in Sachen Loveparade anhängig. Nach Angaben des Landgerichts handelt es sich überwiegend um Klagen von Besuchern, in einem Verfahren ist ein Ordner beteiligt. Zwei von zehn Prozesskostenhilfeanträgen hatten die Richter vor kurzem abgelehnt, da es den Klagen keine Chancen einräumte: Das Land und die Stadt sowie der Inhaber der Firma - einer GmbH - seien aus rechtlichen Gründen nicht haftbar zu machen.

Am 24. Juli jährte sich die Loveparade-Katastrophe zum fünften Mal. Bei der "Nacht der 1000 Lichter" gedachten Angehörige und Betroffene der Toten.

kis DPA

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