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Machtkampf im Kirchenstaat: Vatikan weist Vorwurf der Intrige zurück

Der Kammerdiener des Papstes soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann dann veröffentlicht wurden. Im Vatikan wird offenbar erbittert um Einfluss gerungen. Jetzt wehrt sich ein Offizieller.

Im Skandal um den Diebstahl geheimer Dokumente hat der Vatikan den Eindruck zurückgewiesen, in der Umgebung von Papst Benedikt XVI. herrschten Intrigen und Machtkämpfe. "Ich kann eine solche Atmosphäre nicht feststellen", sagte der stellvertretende Staatssekretär Angelo Becciu. Auch aus den Veröffentlichungen der gestohlenen Dokumente des Papstes lasse sich ein solcher Eindruck nicht ableiten.

"Viele Dokumente enthüllen keine Machtkämpfe und Racheakte, sondern eine Freiheit des Denkens", betonte der Erzbischof in einem Interview des "L'Osservatore Romano", das die Vatikanzeitung am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe veröffentlichte. "Wir (im Vatikan) sind keine Mumien, sondern vertreten unterschiedliche Ansichten."

Der Papst sei vom Diebstahl der Dokumente schmerzlich betroffen. "Die Veröffentlichung der Briefe war ein unmoralischer und äußerst schwerwiegender Akt", betonte Becciu. Der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann veröffentlicht wurden.

Spekuliert wird, dass er nicht die einzige undichte Stelle im Fall "Vatileaks" ist. Dem 46 Jahre alten Familienvater wird schwerer Diebstahl vorgeworfen. In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan mehrfach Enthüllungen an die Medien durchgesickert. Unter anderem sind geheime Schreiben in dem gerade erschienenen Buch "Sua Santità" (Seine Heiligkeit) veröffentlicht. Der Vatikan hatte die Publikation vertraulicher Unterlagen selbst als "Vatileaks" bezeichnet und so auf die Enthüllungsplattform Wikileaks angespielt.

jar/DPA / DPA