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Mecklenburg-Vorpommern Kein Pardon für Maskenmuffel – so lief der Schulstart nach den Sommerferien

Schüler in Rostock
Schüler in Rostock
© Bernd Wüstneck / DPA
Als erstes Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern den Unterricht nach den Sommerferien wieder aufgenommen. So lief der Schulstart mit Maske, Abstand und Co.

Am Innerstädtischen Gymnasium (ISG) in Rostock beginnt das neue Schuljahr mit einer praktischen Übung: "Arme raus, Abstand halten", lautet die Anweisung von Schulleiter Markus Riemer. Im begrünten Innenhof hat er am Montagmorgen rund 150 Siebtklässler vor sich. Für sie beginnt wie für die anderen knapp 153 000 Schüler im Nordosten wieder die Schule. 

Als erstes Bundesland versucht Mecklenburg-Vorpommern nun nach den Sommerferien, unter Pandemiebedingungen zu einem weitgehend regulären Schulbetrieb zurückzukehren. Im Rest der Bundesrepublik wird aufmerksam beobachtet, wie nach dem Rumpfunterricht der zurückliegenden Monate in einer Art Großexperiment der Neustart erprobt wird.

Der neue Schulalltag: Maskenpflicht und Abstand

Vom normalen Schulalltag, das spüren an diesem sonnigen Morgen auch die Jungen und Mädchen in Rostock, ist man noch ein ganzes Stück entfernt. Wie im coronageprägten Alltag lautet eine der wichtigsten Grundregeln: Möglichst wenige Kontakte zum Nebenmann. Präsenzunterricht soll die Regel, Homeschooling via Internet die ergänzende Ausnahme sein. Ob auch in Schulgebäuden eine Maskenpflicht gelten soll, darüber wird in vielen Bundesländern noch diskutiert. 

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte das zuletzt befürwortet. Einige Bundesländer hatten eine Maskenpflicht im neuen Schuljahr angekündigt, in Schulgebäuden – nicht aber im Unterricht. Überraschend kam aus Nordrhein-Westfalen am Montag dann die Meldung, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland an weiterführenden und berufsbildenden Schulen zunächst bis Ende August eine Maskenpflicht auch im Unterricht gelten soll. Schleswig-Holstein sprach dagegen nur eine "dringende Empfehlung" für die ersten beiden Schulwochen aus, eine Pflicht soll es nicht geben. Die Empfehlung bezieht sich auf die Schulgebäude, den Schulhof und auch auf den Unterricht.

Wie in allen anderen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns liefen in den vergangenen Wochen auch am ISG die Vorbereitungen auf Hochtouren. Hygienekonzepte wurden erstellt. Um das Infektionsrisiko zu verringern, wurden die Schüler in feste Gruppen eingeteilt, die sich in der Schule nicht begegnen sollen. Innerhalb der Gruppen sind die Abstandsregeln aber aufgehoben. Es gehe darum, den 850 Schülern und gut 80 Lehrern maximale Sicherheit bieten zu können, sagt Riemer. Auf dem Schulhof wurden daher Treffpunkte für die unterschiedlichen Klassenstufen eingerichtet, Laufwege in den Fluren aufgezeichnet und Desinfektionsmöglichkeiten geschaffen. Selbst über die Organisation der Toilettengänge musste nachgedacht werden, berichtet Riemer. 

Die Gymnasien in Rostock haben klare Anweisungen gegeben. "In den Fluren des Hauses herrscht Maskenpflicht", sagt Jan Bonin, Leiter des Gymnasiums im Stadtteil Reutershagen, an dem mehr als 600 Schüler unterrichtet werden. So gab es zum Schulstart auch kein Pardon für Schüler, die sich nicht an die Maskenpflicht hielten. Sie wurden aufgefordert, sofort den Schutz anzulegen. Wer keine Maske dabei hatte, bekam eine von der Schule.

In der größten Grundschule der Landeshauptstadt Schwerin scharen sich auf dem weitläufigen Pausenhof am Montagmorgen die Jungen und Mädchen um ihre Klassenlehrer, die sie in Empfang nehmen und dann im Gänsemarsch in die Klassenräume führen. "Wir freuen uns, dass es nun wieder losgeht und hoffen, dass uns nichts zwingt, den Präsenzunterricht wieder zu unterbrechen", sagt Maria Hochbaum-Bese, bevor sie ihre 2c durch den extra gekennzeichneten Eingang ins Schulgebäude bringt.

"Manches Hü und Hott"

Tagelang hat Schulleiterin Hannelore Schulze mit ihren Kollegen an der Umsetzung des Hygieneplans gearbeitet und musste dabei nach eigenem Bekunden auch mache kurzfristige Änderung noch mit einbauen. "Da gab es schon manches Hü und Hott. Aber wir versuchen, das beste daraus zu machen, Gelassenheit auszustrahlen und so Kinder und Eltern zu beruhigen", sagt die erfahrene Pädagogin. So werde es gestaffelte Essenszeiten geben und zur Überbrückung kleinere Zusatzpausen, etwa als Lesezeiten. "Wir haben ja wegen der Schulschließung im Frühjahr viel aufzuholen", berichtet Schulze.

Kathlen und Renè Tümmel, die ihre Tochter Hannah in Schwerin bei ihrem ersten Schultag begleiten, gehen mit gutem Beispiel voran und tragen selbst Masken – was aber längst nicht alle Eltern so machen. Auch das Ehepaar bekommt ein Formular in die Hand, mit dem es Auskunft über den Gesundheitszustand in der Familie und die jüngsten Reiseziele geben soll. Vater René findet das in Ordnung. Schließlich gehe es um den Schutz der Kinder und auch der Lehrer. "Gerade jetzt, da die Infektionszahlen in ganz Deutschland und auch bei uns ja wieder hochgehen, ist es gut, wenn man besonders vorsichtig ist", sagt er.

Joachim Mangler / Frank Pfaff / DPA / wue

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