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Massaker in Nigeria: Islamisten töten mehr als 100 Zivilisten

Reich an Erdöl ist der Norden Nigerias. Und ein von Christen und Muslimen hart umkämpftes Gebiet. Bei dem jüngsten Angriff wurden mehr als 100 Menschen von Islamisten getötet.

Selbst Regierungstruppen konnten gegen die anhaltende Gewalt im Norden Nigerias bislang nichts ausrichten

Selbst Regierungstruppen konnten gegen die anhaltende Gewalt im Norden Nigerias bislang nichts ausrichten

Islamisten haben im Nordosten Nigerias offenbar mehr als einhundert Zivilisten massakriert. Wie der örtliche Senator Ali Ndume am Sonntag sagte, töteten die mutmaßlichen Mitglieder der Gruppe Boko Haram 106 Menschen. Der Angriff ereignete sich am Samstagabend in dem überwiegend von Christen bewohnten Dorf Izghe im Bundesstaat Borno, wo bereits hunderte Zivilisten aus Angst vor Angriffen geflohen waren. "Die Angriffe werden jeden Tag häufiger und brutaler", sagte Ndume am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Armeesprecher bestätigte den Angriff. Er wollte aber keine Details nennen und verwies darauf, dass in der Gegend eine internationale Truppe die juristische Gewalt habe. Der Task Force gehören Soldaten aus Nigeria sowie den Nachbarländern Tschad und Niger an.

Zuvor hatte der örtliche Behördenvertreter Maina Ulamaru von mehr als 60 Toten gesprochen. Er machte für den Angriff Kämpfer der Gruppe Boko Haram verantwortlich, die für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias kämpft. Die Angreifer hätten auch Geschäfte und Lebensmittelläden geplündert, sagte Ulamaru. Die Waren hätten sie in den Autos der Dorfbewohner mitgenommen, dann seien sie geflohen.

Aufräumen vor der Präsidentschaftswahl

Ein Bauer aus dem Dorf berichtete, er sei dem Massaker knapp entkommen. Er sei über den Zaun seines Hauses geklettert und 40 Minuten lang auf dem Bauch gekrochen. Die Bewaffneten seien von Haus zu Haus gegangen, um Menschen in Verstecken zu finden. "Die Angreifer kamen gegen 21.30 Uhr in sechs Lastwagen, einige auf Motorrädern", berichtete der Mann. "Sie trugen Militäruniformen. Sie befahlen den Männern, sich an einem Punkt zu versammeln. Dort haben sie angefangen, sie zu massakrieren." Nach Angaben des Dorfbewohners waren zum Zeitpunkt des Angriffs keine Sicherheitskräfte in dem Ort. Laut Ulamaru verloren hunderte Dorfbewohner durch den Angriff ihr Haus. Der Behördenvertreter, der sich gerade in der nigerianischen Hauptstadt Abuja aufhielt, wollte sich nach eigenen Angaben in die Hauptstadt des Bundesstaates, Maiduguri, begeben. Dort wolle er die Möglichkeiten humanitärer Hilfen und die Verbesserung der Sicherheit erörtern.

Aus Angst vor Massakern der Boko Haram hatten sich am Samstag bereits hunderte Menschen in Sicherheit gebracht. Zuvor waren bei zwei Angriffen insgesamt 43 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Armee gab es am Samstag zudem einen Angriff auf ein Fischerdorf am Tschadsee. Einem Augenzeugen zufolge eröffneten Angreifer das Feuer, woraufhin Dorfbewohner in den See flohen und ertrunken seien. Eine Opferzahl war zunächst nicht bekannt.

Seit dem Jahr 2009 wurden bei Angriffen der Boko Haram tausende Menschen getötet. Der Bundesstaat Borno ist eine Hochburg der Gruppe, die gezielt Christen angreift. Seit Mai 2013 gilt in Borno der Ausnahmezustand. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hatte sich unzufrieden mit den ausbleibenden Erfolgen im Kampf gegen Boko Haram geäußert und im Januar mehrere Armeechefs entlassen. In einem Jahr finden in dem ölreichen westafrikanischen Land Präsidentschaftswahlen statt.

ono/AFP / AFP
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