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Mehrgenerationenhaus für Schwule und Lesben: Die Regenbogen-Rentner

Alt werden, ohne sich verstecken zu müssen: In Berlin gibt es jetzt ein Mehrgenerationenhaus für Schwule und Lesben. Vor ein paar Jahrzehnten wäre das auch in Deutschland noch undenkbar gewesen.

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg ist der "Lebensort Vielfalt" eröffnet worden, nach Angaben der Initiatoren das erste Mehrgenerationenhaus für Schwule und Lesben in Europa. In dem Haus in der Niebuhrstraße 59/60 riecht es noch nach frischer Farbe. Hier und da legen Handwerker den letzten Schliff an. Die Wohnungen sind begehrt, fast alle sind schon vergeben: Der Jüngste ist um die 30, der älteste Bewohner 84 Jahre alt. Draußen vor dem Eingang wehen die bunten Regenbogen-Fahnen, Symbol der Schwulen und Lesben.

Zur Eröffnung war auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gekommen und staunte über das sechs Millionen Euro teure, "einzigartige Modellprojekt". 24 Wohnungen gibt es im "Lebensort Vielfalt", teils rollstuhlgerecht.

"Das ist gelebte Nachbarschaft"

Bei Pflegebedürftigkeit kommen selbstverständlich schwule Pfleger in Haus. Und im zweiten Stock liegt die "Demenz-WG", die Deutschlands erste Wohngemeinschaft für schwule Männer mit Demenzerkrankung sein soll. Das Café im Erdgeschoss ist für alle da, bald soll auch der große Garten ordentlich bepflanzt werden.

"Das ist gelebte Nachbarschaft", sagt Marcel de Groot, Geschäftsführer der Berliner Schwulenberatung. Der Verein hat das Wohnprojekt initiiert und im Mehrgenerationenhaus eine Etage bezogen. Bei Sorgen und Nöten haben es die 26 Bewohner also nicht weit. Und die haben Schwule und Lesben auch heute noch, selbst im so vermeintlich liberalen Berlin. "Diskriminierung gehört für viele zum Alltag", sagt de Groot. "Sie ist latenter als früher, aber noch da."

Haiko Prengel, DPA / DPA
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