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stern-Kolumne Winnemuth: Vive le Selbstbeschiss

Die perfekte Frau ist Französin: weiblich, elegant, très entspannt. Sie hat Sex, High Heels und wohlerzogene Kinder. Wie nervig!

Von Meike Winnemuth

Glaubt man diversen Bestsellern, können Französinnen alles besser

Glaubt man diversen Bestsellern, können Französinnen alles besser

Sie können überhaupt nichts dafür, die Französinnen, aber sie gehen mir irrsinnig auf den Senkel. Seit Jahren werden die Bestsellerlisten geflutet mit Titeln wie "Warum französische Frauen nicht dick werden: Das Geheimnis genussvollen Essens", "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind", "Vive la famille: Was wir von den Franzosen übers Familienglück lernen können" oder "Warum Französinnen nicht allein schlafen: Die Geheimnisse unwiderstehlicher Frauen". Glaubt man diesen Büchern, können Französinnen alles besser. Sie sind schön und chic und jung und dünn trotz oder wegen ihrer Käse-/Wein-/ Mousse-au-Chocolat-Diät, sie haben ein zügelloses Liebesleben, tadellos parierende Kinder, tolle Haare und sind da rüber hinaus so unglaublich oh, là, là.

Auch der Neuzugang im Vive-la-France-Genre, das mysteriöserweise englisch betitelte Werk "How to be Parisian wherever you are. Liebe, Stil und Lässigkeit à la française" , setzt diese Erfolgsgeschichte fort: Derzeit steht das Buch in den Top Ten der Sachbuchbestsellerliste. Es ist illustriert mit tollhaarigen Brünetten, die umflort durch Fenster blicken oder sinnend im Bett liegen, unweigerlich mit einer frisch angesteckten Zigarette im Mund.

"Trag einen schwarzen BH unter einer weißen Bluse"

Neben den Bett-&-Zigarett-Fotos stehen Ratschläge wie „Finde dein Parfüm, bevor du 30 bist, und trag es für die nächsten 30 Jahre" oder "Trag einen schwarzen BH unter einer weißen Bluse, wie zwei Pausenzeichen in einer Partitur" oder "Sei untreu: Verrate dein Parfüm. Aber nur, wenn es kalt ist". Als ob das nicht verwirrend genug ist, lesen wir da rätselhafte Sätze wie:

"Die Pariserin findet immer einen guten Grund, auf einer Bank zu sitzen: Wenn sie in ihrer Tasche nach ihrem Smartphone wühlt oder nach dem Autoschlüssel oder der Fernbedienung für die Garage und dann nach dem Haustürschlüssel. Von der ganzen Sucherei ist sie so erschöpft, dass sie keine Lust mehr hat, nach Hause zu gehen." Oder: "Wenn sie von einem Polizisten angehalten wird, fängt die Pariserin an zu weinen, noch bevor sie überhaupt ihre Papiere gezeigt hat." Oder: "Trag nie eine Brille, vor allem nicht, wenn du kurzsichtig bist."

Wäre ich Französin, würde ich die Verfasser solcher Anleitungen tout de suite wegen übler Nachrede verklagen. So dämlich ist keine Frau, wie in Französinnen-Ratgebern postuliert wird, so kapriziös und überfordert, so bedauerlich unzurechnungsfähig. Und trotzdem wollen anscheinend weltweit Frauen so sein wie diese Fantasiegeschöpfe: Das Buch ist inzwischen in 26 Ländern erschienen und nicht nur in Deutschland ein Hit, sondern auch in England, Russland, Korea, Polen, Italien und den USA - Nationen, die sonst wenig gemeinsam haben.

La vie française Erfüllung moderner Sehnsüchte

Warum also fällt man so gern auf den Mythos der perfekten Französin herein? Ist es die Verheißung, dank partieller Umnachtung unwiderstehlich zu werden? Das Versprechen eines Lebens, das seinen Namen verdient, eines mit Sex und Rotwein und Croissants und nicht nervenden Kindern? La vie française - und das ist der PR-Triumph der Franzosen - scheint die Erfüllung aller modernen Sehnsüchte zu sein: nach Liebe, Eleganz, Champagner, Wahnsinn.

Gleichzeitig haben sie den kategorischen Imperativ der globalen Weiblichkeit erfunden: mit äußerster Anstrengung die Illusion kompletter Anstrengungslosigkeit herzustellen. "Lass dir nie anmerken, dass du dir Mühe gibst: Alles sollte leicht und unangestrengt wirken", so das erste Gebot der imaginären Pariserin all dieser Bücher. Klar, dass es irgendwo einen Haken geben musste.

Der größte aller Haken ist halt immer noch der Selbstbeschiss.

Themen in diesem Artikel
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?