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Messe Ecclesia: Unsere Kirche soll schöner werden

Auf der Kirchenmesse Ecclesia in Köln präsentieren sich die Hersteller von Kirchenbedarf. Doch auch hier machen sich Konkurrenzdruck und moderne Einflüsse bemerkbar - mit beheizbaren Kirchenbank-Kissen und Kunstfaser-Messgewändern.

Von Tim Farin

Siegfried Hofer lässt gern "ökumenisch" trinken. So zumindest nennt es der Vertreter einer bayerischen Klosterdestillation, wenn er die beiden traditions- und alkoholgeladenen Erzeugnisse aus den Flaschen an Stand A066 in Halle 3 der Kölner Messe zusammenschüttet. Vor ihm steht eine Schlange von Neugierigen, die gern von den Alkoholika probieren möchten, welche Hofer hier im Auftrag der Maristenbrüder aus Furth bei Landshut vertreibt.

"Das sind hochwertige Kräuterdestillate und keine Schnäpse", betont der Bayer, wenn er auf den 40-prozentigen bräunlichen Likör "Hermite" und den klaren "Arquebuse" mit immerhin 50 Umdrehungen hinweist. Hier, im Neonlicht der Kölner Messe, macht Hofer jede Menge neue Kontakte, um Absatzkanäle und Kundschaft für die Reindestillate aus dem Kräutergarten in dem süddeutschen Provinzkloster zu erschließen.

Geschäfte im Zeichen der Religion

Drei Tage lang geht es auf der Ecclesia in Köln um das Geschäft im Zeichen der Religion. 185 Unternehmen, Institutionen und Kirchenverbände aus sieben Ländern präsentierten ihre Arbeit und Angebote. Die Veranstalter erwarten 3600 Besucher auf der einzigen Kirchenmesse in Deutschland und einer der wenigen in Europa.

Die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von jenen Schauen, die in den Hallen am östlichen Rheinufer üblicherweise veranstaltet werden. Schon am Eingang ist das Läuten von Kirchenglocken zu hören, die von Kirchturmbauern angepriesen werden, sakrale Orgelmusik ertönt - und gleich zum Auftakt der Messe versammeln sich die Gäste zu einer ökumenischen Andacht von Katholiken, Orthodoxen und Protestanten, um der Ausstellung die passende theologische Untermauerung zu verleihen.

Alle wollen Gewinn machen

Der evangelische City-Pfarrer Berthold Höcker aus Köln liest aus dem Evangelium nach Matthäus das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg: Da erhalten, kurz gesagt, alle Arbeiter den gleichen Lohn trotz ungleicher Arbeit - und es gibt Ärger, weil manche eben mehr Geld möchten als die anderen, die weniger geleistet haben. Der Arbeitgeber weist das zurück und verweist auf einen klassischen Satz der Gleichheit: Die Letzten werden die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Jeder kriegt gleichviel vom Kuchen. Ganz so sieht die Realität auf der Ecclesia indes nicht aus, denn auch die Anbieter von einbruchssicheren Opferstöcken, handwerkliche gefertigten Orgeln, prunkvollen Messgewändern und effizienten Bestuhlungen stehen im Wettbewerb miteinander. Sie werden sich ungern damit abfinden, dass jeder gleichviel abbekommt. "Auch wenn es hier um christliche Themen geht, wollen die Aussteller am Ende doch ihren Gewinn machen", sagt Alfred Kohlenberg, der verantwortliche Projektmanager der Ecclesia.

Und das wird immer schwieriger, denn den Gemeinden gehen die Mitglieder verloren - und damit auch sehr viel Geld aus Steuern und Kollekten. Geld, das wiederum fehlt, wenn eine Musikanlage renoviert oder ein neues Tabernakel gekauft werden soll. Also müssen die Anbieter - so zeigt es sich auf der Ecclesia - preislich und qualitativ überzeugen oder eben den Gemeinden beim Umdenken helfen. "Ein starker Trend liegt im Sparzwang", sagt Kohlenberg, "wir sehen immer mehr Anbieter von Energiespar-Anlagen, Solardach-Hersteller und Anbieter von IT-Lösungen für gesteigerte Effizienz."

Beheizte Kirchbank-Polster

Ein Musterbeispiel findet sich am Stand der EFG-Kirchensitzheizung: Martin Sandler und sein Geschäftspartner aus Kaufbeuren haben ein Kirchenbank-Polster entwickelt, das über Schwachstrom beheizt wird und die Wärme nur an den Kirchenbesucher abgibt. Vor zehn Jahren installierten sie im bayerischen Kleinkemnat die erste Anlage in einer Kirche mit 87 Sitzplätzen, die heute pro Jahr für weniger als 30 Euro beheizt werde.

Er schwärmt ganz im Stile eines sprudelnden Vertreters davon, dass die Kirchen in Deutschland jedes Jahr 100 Millionen Euro an Heizkosten sparen könnten, wenn sie auf solche Lösungen setzten und ihre herkömmlichen Raumheizungen abstellten. Damit auch der Pfarrer in der ungeheizten Luft vorne am Altar nicht frieren muss, hat Sandler gleich noch etwas Passendes dazu erfunden: Eine "Thermo-Albe", ein Priestergewand aus High-Tech-Textil, in dem es dem Geistlichen angeblich niemals kalt wird. Ein Gewand, das auch der Reporter eines Lokalfernsehsenders überstreift, während er Sandler interviewt - die Kirchenheizung verursacht den stärksten Medienrummel an diesem Eröffnungstag.

Keine schrillen Neuentwicklungen

Die Ecclesia ist aber auch so etwas wie eine Kunst- und Modenschau für die Branche, wenngleich der theologische Kontext natürlich keine schrillen Neuentwicklungen à la Mailänder Modewoche zulässt. Zu sehen sind Werke vieler Künstler zu christlichen Themen - Figuren, Kreuze, Kerzenständer. Und es gibt vor allem eine Handvoll Hersteller, die kunstvoll gefertigte Messgewänder für Geistliche präsentieren.

Zu diesen Herstellern gehört Maria Jeanette Karbig, studierte Designerin und ausgebildete Parament-Stickerin aus dem westdeutschen Zülpich. Natürlich gebe es auch in ihrer Branche Wettbewerbs-Druck und Billiganbieter, sagt die tiefgläubige Katholikin, doch kontere sie mit sehr individueller Beratung und Fertigung. Wobei es klare Einschränkungen gibt. Vier Farben sind gestattet: Weiß, grün, violett und rot - und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Karbig bestickt die Kleidung mit kunstvollen Mustern - was die Feierlichkeit der Messe unterstreichen soll. Mit einem hochwertigen Parament, so glaubt sie, betone der Priester noch seine Botschaft, und es gebe eindeutig einen Trend zum Bewusstsein für aufwändige Gestaltung der Gottesdienste. Aber auch wenn die Gewänder noch so prunkvoll ausfallen, bleibt Karbig skeptisch: "Ich glaube nicht, dass dadurch wieder mehr Menschen in die Kirche zurückgelockt werden."

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