Migrantenkinder Jeder fünfte Ausländer bricht Schule ab


Eine neue Studie belegt, wie gering die Bildungschancen für ausländische Kinder in Deutschland sind. 19,4 Prozent der ausländischen Jugendlichen brechen die Schule ab. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat herausgefunden, welche Ausländer es besonders schwer haben.

Ausländische Jugendliche in Deutschland brechen nach Angaben der Bertelsmann Stiftung deutlich häufiger die Schule ab als deutsche Schüler. Bundesweit verließen 19,4 Prozent der Jugendlichen aus ausländischen Familien die Schule ohne Abschluss, teilte die Stiftung mit. Bei deutschen Jugendlichen sind es 9,3 Prozent. Die Stiftung beruft sich dabei auf Berechnungen das Internet-Frühwarnsystem "Wegweiser Demografie" zur Bevölkerungsentwicklung.

Die niedrigsten Schulabbrecherquoten unter ausländischen Jugendlichen gibt es demnach in Hessen (10,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (13,0), die höchsten in Bremen (29,0) und Sachsen-Anhalt (29,4).

Italienische Schüler am schlechtesten

Italienische Migrantenkinder sind im Vergleich mit anderen großen Zuwanderernationen die schlechtesten Schüler, wie die "Zeit" unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichtet. Sie liegen deutlich hinter den meist im Fokus stehenden türkischstämmigen Schülern. Demnach landen 48,3 Prozent der italienischen Kinder auf der Hauptschule und 8,6 Prozent auf Sonderschulen. Bei den Türken seien es nur 44,7 Prozent und 6,6 Prozent.

In Italien bis Nachmittags Unterricht

Am besten schneiden demnach die Kinder aus spanischen Familien ab: Von ihnen gehen nur 26,1 Prozent auf die Hauptschule und 5,1 Prozent auf die Sonderschule. Zum Vergleich: Von den deutschen Kindern besuchen 17,7 Prozent Hauptschulen und 4,4 Prozent Sonderschulen. Einen Grund für das schlechte Abschneiden sehen Bildungsexperten dem Blatt zufolge in den großen Unterschieden zwischen den Schulsystemen nördlich und südlich der Alpen. Während in Deutschland die Eltern stark gefordert sind als Helfer beim Lesen oder Rechnen, dauert der Unterricht in Italien bis zum Nachmittag.

Generalkonsul beklagt "selektiven Charakter"

Der italienische Generalkonsul in Stuttgart, Faiti Salvadori, sprach von mangelnder Unterstützung italienischer Kinder in Deutschland. Er würde sich wünschen, "dass die deutsche Seite eine stärkere Verantwortung für diese Schüler übernimmt", sagte er der "Zeit". Italien investiere jährlich rund 3,5 Millionen Euro in Deutschstunden, Elternschulungen und italienische Lehrer, die deutschen Kollegen zur Seite stehen. Der selektive Charakter des deutschen Schulsystems sei eine Art Diskriminierung. Der Diplomat vermute aber auch ein geringes Interesse seiner Landsleute an Bildung und zu wenig Ehrgeiz, berichtet das Blatt.

DPA/AP AP DPA

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