HOME

Politische Modelleisenbahn: Miniatur-Wunderland tritt mit Tierschutz-Aktion Streit mit dem Bauernverband los

Nackte Figuren in der Rolle von Kühen und Hühnern; Babys, die geschreddert werden sollen: Das Miniatur-Wunderland in Hamburg provoziert mit einer Tierschutz-Aktion, die bei den Besuchern gut ankommt – aber einen Streit mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein ausgelöst hat.

Screenshot von der Facebookseite des Miniatur Wunderlands

Frische Muttermilch im Maßstab 1:87: Mit Szenen wie dieser will das Miniatur Wunderland auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen

Das Miniatur Wunderland in Hamburg ist vor allem als die größte Modelleisenbahn der Welt bekannt. Mit winzigen Nachbildungen der Welt im Kleinen macht es aber auch immer wieder mit politischen Botschaften auf sich aufmerksam. So geschehen vergangene Woche mit Tierschutz-Szenen, die in die Mini-Landschaft eingebaut wurden und bewusst provozieren sollen. Die Modellbauer hatten am Donnerstag von den einzelnen Szenen Fotos auf ihrer Facebook-Seite gepostet.

Auf den Bildern sind nackte Frauenfiguren zu sehen, die von Milchmaschinen gemolken werden. Dazu der Aufruf: "Stoppt die Massenmilch-Produktion." Außerdem werden nackte Menschen wie Tiere in Massentransporten zusammengepfercht und Frauen, die Babys auf einem Laufband gebären, die anschließend geschreddert werden sollen. Außerdem sind in dem Miniatur Wunderland eigenen Dorf "Knuffingen" Plakate aufgestellt, die Menschen in Käfigen zeigen, die gemästet werden, wieder mit einem Aufruf: "Stoppt die Menschenmast".

Stop the mass milk production!

Gepostet von Miniatur Wunderland am Donnerstag, 27. Juni 2019

 

Reaktionen auf die Aktion in den sozialen Medien positiv

Die Fotos haben zahlreiche Reaktionen und Kommentare hervorgerufen, die meisten davon eindeutig positiv: "Gute Idee, sehr kreativ", kommentiert ein Nutzer. Ein anderer lobt: "Klasse! Schön, dass ihr so viel Rückgrat zeigt, auch wenn ihr damit sicherlich einige eurer Kunden/Besucher brüskiert." Doch weniger die Besucher fühlten sich von den Szenen in "Knuffingen" angegriffen: Der Bauernverband Schleswig-Holstein nannte die Aktion auf Facebook "abartig". Ein Streit zwischen Bauern und dem Miniatur Wunderland war losgetreten, der nun seit Tagen auf Facebook andauert.

Gerrit Braun, einer der Gründer des Miniatur Wunderlands, schrieb auf Facebook: "Der Bauernverband SH hetzt immer wieder aufs Neue seine vielen tausenden Anhänger gegen uns auf und erzeugt Wut, eher Hass." Man wolle dort einfach nicht verstehen, "dass unsere Tierschutz-Aktion sich NICHT gegen Bauern richtet, sondern nur den Verbraucher aufrütteln (...) soll." Der Bauernverband antwortete nur zum Teil verständnisvoll: "Von euren schrecklichen Bildern fühlen wir Bauern uns angegriffen, denn dort wird ja nicht im Geringsten differenziert. Warum ist das so schwer zu verstehen?"

Lieber Gerrit. Wir verstehen, was du bezwecken willst. Das ist ja auch klasse. Aber mach das doch, indem du die...

Gepostet von Bauernverband Schleswig-Holstein am Samstag, 29. Juni 2019

Gründer: "Haben eigentlich das gleiche Ziel"

Frederik Braun, der andere Gründer des Museums, sagte dem "Abendblatt", dass es ihm leidtue, dass der Bauernverband sich angegriffen fühle, er sich aber nicht entschuldigen wolle. "Der Landesverband der Bauern und das Wunderland haben eigentlich das gleiche Ziel: Wir wollen in den Köpfen der Verbraucher ein Bewusstsein schaffen, dass diese bereit sind, für besseres Fleisch mehr Geld auszugeben. Im Umkehrschluss sollten die Konzerne die Bauern finanziell mehr unterstützen", so Braun im "Abendblatt".

Währenddessen ergab eine Befragung des "Abendblatts" im Miniatur Wunderland, dass viele Besucher die Szenen gar nicht bemerkten, da sie wie die gesamte Miniaturwelt in einem Maßstab von 1:87 modelliert seien. 

Quellen: Facebook, "Abendblatt",

TV-Serie "Yellowstone" : Mit diesen schweren Vorwürfen hat sich ein Whistleblower an die Tierrechtsorganisation PETA gewandt.
she