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Missbrauchsfälle: Vatikan gibt der Homosexualität die Schuld

Angesichts der vielen aufgedeckten Missbrauchsfälle verteidigt der "Außenminister" des Vatikans das erneut in die Kritik geratene Zölibat in der katholischen Kirche. Vielmehr sei die Homosexualität verantwortlich für die Verbrechen an den Kindern. Er kündigte neue Maßnahmen des Papstes an.

Die Zeit des Schweigens scheint vorbei: Nachdem sich der Vatikan angesichts der vielen aufgedeckten Missbrauchsfälle von Geistlichen in den letzten Wochen ruhig verhalten hat, sorgen Anfang dieser Woche gleich mehrere Verlautbarungen aus dem Klerus für Aufsehen. Die neueste kommt von Kardinalsekretär Tarcisio Bertone: Die rechte Hand des Papstes gibt nicht dem Eheverbot für katholische Priester, sondern der Homosexualität die Schuld an den Missbrauchsfällen.

"Das ist die Wahrheit und das ist das Problem"

Bertone stützt seine Ansicht auf wissenschaftliche Ergebnisse: "Viele Psychologen und Psychiater haben nachgewiesen, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und der Pädophilie gibt, aber viele andere haben gezeigt und mir kürzlich versichert, dass ein Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie besteht. Das ist die Wahrheit und das ist das Problem", wurde Bertone am Dienstag von der Online-Ausgabe des chilenischen Radiosenders Cooperativa wiedergegeben.

Papst will neue Maßnahmen bekanntgeben

Die Missbrauchsfälle seien "sehr schlimm und skandalös", habe Bertone am Montag vor Journalisten am Rande eines Chile-Besuchs hinzugefügt. Jedoch sei nur ein sehr kleiner Prozentsatz der katholischen Priester mit Pädophilie in Verbindung gebracht worden. Papst Benedikt XVI. werde dennoch in Kürze neue Maßnahmen gegen die Wiederholung solcher Fälle bekanntgeben. Einzelheiten nannte Bertone, der faktisch Regierungschef des Vatikans ist, nicht.

"Die Zeit": Bertone soll Fall vertuscht haben

Zudem bestritt Bertone, die Kirche habe den Skandal zu vertuschen versucht. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte in ihrer Online-Ausgabe über Ostern mehrere Vatikan-Dokumente veröffentlicht, denen zufolge nach Einschätzung der Zeitung Bertone 1998 als damaliger Sekretär der Glaubenskongregation in dem Missbrauchsskandal um den US-Priester Lawrence Murphy die Aufklärung des Falls gebremst habe. "Anders als bisher angenommen, hat nicht der heutige Papst, sondern Bertone den Fall offenbar vertuscht", sagte Patrick Schwarz, Stellvertretender Ressortleiter Politik der "Zeit", der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Missbrauch die Polizei rufen

Am Montag hatte der Vatikan erstmals explizit klargestellt, dass bei sexuellem Missbrauch durch Geistliche die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten sind. Eine auf der Website des Vatikans veröffentlichte Richtlinie besagt: "Die zivilen Rechtsvorschriften betreffend die Anzeige von Verbrechen bei den zuständigen Behörden sollten immer befolgt werden."

DPA / DPA