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Missbrauchsfall in Wisconsin: Vatikan setzte Priester nicht ab

Im US-Staat Wisconsin ist ein Priester, der in einen Missbrauchsfall verwickelt war, nie seines Amtes enthoben worden. Der Vatikan soll von den Vorwürfen gewusst haben, wie die Zeitung "New York Times" berichtete.

Im US-Staat Wisconsin ist ein Priester, der in einen Missbrauchsfall verwickelt war, nie seines Amtes enthoben worden. Der Vatikan soll von den Vorwürfen gewusst haben, wie die Zeitung "New York Times" berichtet. Ein Anwalt wirft der Diözese in einer Klage vor, sie sei nicht entschieden genug gegen Pfarrer Lawrence Murphy vorgegangen. Murphy war von 1950 bis 1975 an einer Schule für gehörlose Kinder tätig und soll dort bis zu 200 Jungen sexuell belästigt haben. Er starb 1998.

Ein Vatikan-Sprecher, Federico Lombardi, erklärte in einer Stellungnahme, dass der Vatikan erst 1996 von dem Fall erfahren habe. Viele Jahre zuvor schon hätten die staatlichen Behörden in dem Fall ermittelt und das Verfahren eingestellt, erklärte Lombardi. Gründe ihn nicht seines Amtes zu entheben, seien sein damals schon angeschlagener Gesundheitszustand und die Tatsache gewesen, dass es keine Vorwürfe mehr gegen Murphy aus jüngerer Zeit gegeben habe. Automatische Strafen seien im kanonischen Recht nicht vorgesehen.

1996 hatte der damalige Erzbischof Rembert Weakland den Vatikan in einem Brief an die Glaubenskongregation, die zu der Zeit von Kardinal Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst, geleitet wurde über den Fall Murphy informiert. Eine Antwort von Ratzinger habe es nicht gegeben, berichtet die "New York Times". Acht Monate später habe sein Stellvertreter, Kardinal Tarciscio Bertone, den Bischöfen empfohlen, ein geheimes Disziplinarverfahren einzuleiten. Bertone habe dies aber wieder gestoppt, nachdem Murphy in einem Brief an Ratzinger seine Reue bekundet und auf seinen schlechten Gesundheitszustand hingewiesen habe. Er habe auch darauf verwiesen, dass die Fälle inzwischen verjährt seien.

APN / APN