Mixa sieht sich als Opfer Zollitsch und Marx halten Vorgehen bei Rücktritt für rechtmäßig


Führende Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland haben den Vorwurf des früheren Augsburger Bischofs Walter Mixa zurückgewiesen, wonach dieser durch eine Intrige zum Rücktritt gezwungen worden sei.

Führende Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland haben den Vorwurf des früheren Augsburger Bischofs Walter Mixa zurückgewiesen, wonach dieser durch eine Intrige zum Rücktritt gezwungen worden sei. "Es ist alles rechtmäßig gelaufen", sagte der Sprecher des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx am Mittwoch. Ein Sprecher des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, schloss sich Marx an.

Mixa hatte am 22. April nach Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten unter seiner Verantwortung sowie Vorwürfen massiver Prügel gegen Waisenhauskinder durch ihn seinen Rücktritt angeboten. In einem für den Vatikan ungewöhnlich schnellen Verfahren hatte Papst Benedikt XVI. dieses Gesuch am 8. Mai angenommen.

Der Zeitung "Die Welt" sagte Mixa nun, er sei zum Rücktritt gezwungen worden und habe nicht einmal die Rücktrittserklärung selbst formuliert. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer", sagte Mixa. Drei Tage später habe er die Rücktrittserklärung dann in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Dem Augsburger Weihbischof Anton Losinger warf Mixa vor, zusammen mit dem Generalvikar des Bistums an die Presse einen Verdachtfall von sexuellem Missbrauch gegen ihn weitergegeben zu haben. Diesen Verdacht räumte die Staatsanwaltschaft nach kurzer Zeit aus.

Weihbischof Josef Grünwald, der das Bistum Augsburg bis zur Benennung eines Mixa-Nachfolgers kommissarisch leitet, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zu den Vorwürfen: "Die Diözese Augsburg dementiert ausdrücklich, dass sie den Missbrauchsvorwurf an die Öffentlichkeit gegeben hat. Außerdem war der an die Staatsanwaltschaft gegebene Anfangsverdacht zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Rücktrittserklärung durch Bischof emeritus Dr. Walter Mixa der Diözese Augsburg noch nicht bekannt."

Dagegen sagte Mixa der "Welt", er erwäge nun rechtliche Schritte. Ein Verfahren vor dem päpstlichen Gerichtshof in Rom sei "ein ganz guter Gedanke, den ich sehr wohl erwäge und bedenke". Marx und Zollitsch warf er dabei vor, statt mit ihm brüderlich zu reden, seien sie zum Papst geeilt und hätten ihm "als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhte als auf sechs handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz".

Marx' Sprecher Bernhard Kellner sagte, es gebe nichts zu dem Vorgang zu sagen, außer dass alles rechtmäßig gelaufen sei. Nicht zuletzt im Interesse von Mixa "sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. Wir wünschen Bischof emeritus Mixa weiter gute Genesung, sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt dazu." Der Sprecher von Zollitsch sagte, dieser Erklärung gebe es nichts hinzuzufügen.

Der Würzburger Kirchenrechtler Heribert Hallermann sagte der Nachrichtenagentur AFP, mit einer möglichen Klage im Vatikan hätte Mixa keine Chance. Da der Papst persönlich das Rücktrittsgesuch geprüft habe, gelte nach Kanon 333 Paragraph 3 - einer Regelung im Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche -, dass es gegen ein Urteil oder ein Dekret des Papstes keine Beschwerde gebe. "Der Papst ist die höchste Autorität in der Kirche; über ihm steht auch kein Gericht. Dies sollte eigentlich bekannt sein." Mixa beschädige sogar die Autorität des Papstes, da seine Vorwürfe bedeuteten, dass der Papst seinen Amtsverzicht nicht ordnungsgemäß geprüft habe.

AFP AFP

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