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Obdachloser in Montreal: Ohne Geige brach seine Welt zusammen - wie ein Facebook-Posting ihm half

Für Mark Landry aus Montreal gibt es nichts Wichtigeres als seine Violine. Doch sie wird ihm gestohlen. Nur wenige Stunden später darf er sich allerdings schon wieder freuen - weil sich ein großzügiger Spender half.

"Violine gestohlen": Der obdachlose Mark Landry bittet mit einem beschrifteten Pappschild um Spenden

Für den obdachlosen Mark Landry kam der Verlust seiner Violine einem Desaster gleich

In den Metrostationen Montreals ist Mark Landry so etwas wie ein Star. Seit gut sieben Jahren packt der obdachlose Mann in den Stoßzeiten des Berufsverkehrs seine Violine aus, um die Fahrgäste am Morgen oder Feierabend mit klassischer Musik zu erfreuen - und um nebenbei etwas Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Seine regelmäßigen Auftritte brachten Landry über die Zeit eine kleine Fangemeinde ein. Genau die wurde für den Straßenmusiker aus der kanadischen Metropole nun zum Retter in der Not, wie unter anderem die "Washington Post" berichtet.

Denn als Landry am Dienstagmorgen aufwachte, hatte man ihm etwas gestohlen, das ihm sein Leben bedeutet und das er bereits seit seinem 17. Lebensjahr besitzt: seine Violine. Für ihn ein Desaster. Und so machte sich Landry sogleich auf den Weg Richtung Joliette-Station im Nordosten der Stadt - hoffend, dort Spenden für ein neues Instrument sammeln zu können.

Facebook-Post löst Welle der Hilfsbereitschaft aus

Mit einem rotbeschriebenen Pappschild mit der Aufschrift "Violine gestohlen - bitte helfen Sie Mark. Danke, Gott segne euch" und einem Plastikbecher für das Geld saß Landry also in der U-Bahn-Station, als Facebook-Nutzerin "Marie-Philippe ML" auf ihn aufmerksam wurde. Die junge Frau zögerte nicht und schoss ein Bild, das sie später auf Facebook veröffentlichte  - "in der Hoffnung, dass ein guter Samariter eine Violine zu verschenken hat", wie sie zu ihrem Posting schrieb.


Mit Erfolg. Weil ihr Beitrag binnen kürzester Zeit tausendfach geteilt wurde, bekam auch das städtische Orchestre Métropolitian Wind von Landrys Misere. "Wir waren wirklich, wirklich sehr berührt von diesem Posting", sagte Jean R. Dupré, Leiter des Sinfonieorchesters, der "Washington Post". "Wir sagten uns, 'Oh mein Gott', dieser arme Mann hat seine einzige Möglichkeit verloren, seine Leidenschaft anderen mitzuteilen", führte er aus. Auch Dupré verlor keine Zeit und rief Francis Lapointe, einen Freund und Besitzer eines Violinen-Shops, an, wie es im Bericht des Senders "CBC News" heißt. Dieser wiederum erklärte sich sofort bereit, ein neues Instrument samt Bogen und Koffer zum Einkaufspreis zur Verfügung zu stellen.

Sinfonieorchester macht Nägel mit Köpfen

Während Landry laut "Washington Post" noch dafür betete, Gott möge ihm eine neue Violine schenken, um nicht "eine noch tiefere Stufe der Armut zu durchleben", machten Dupré und seine Musiker Nägel mit Köpfen: Sie kauften die Geige kurzerhand und ließen sie professionell stimmen.


Laundry habe ihm am Morgen erzählt, dass er ohne sein Instrument nicht leben könne, erklärte Dupré die spontane Hilfsbereitschaft dem Bericht zufolge. Als Musiker konnte er sich offensichtlich sehr gut in die Lage des Obdachlosen versetzen.

Bereits am Nachmittag, also nur wenige Stunden nach dem Landry den Diebstahl bemerkt hatte, fand in der Joliette-Station dann die Übergabe statt. Ein Kamerateam von "CBC News" hielt den berührenden Moment fest (hier können Sie das Video sehen). Der gut 90-sekündige Beitrag zeigt den bärtigen Obdachlosen mit Tränen in den Augen, als er die Geige erstmals in den Händen hält - und dann keine Sekunde zögert, seinen Mantel abzulegen, um sie zu testen. "Als ich ihm die Violine gegeben habe, hat er sogleich den Koffer geöffnet und gesagt 'Gott hat mir zugehört'", sagte Dupré der "Washington Post". Noch im gleichen Moment habe Landry begonnen, darauf zu spielen.

Andere Menschen durch die Geste inspirieren

Lapointe betonte gegenüber "CBC News", dass es sich bei der Violine um ein gutes Instrument handele, das hoffentlich mehrere Jahre halten werde, damit "Mark und wir seine Musik weiter genießen können". Tatsächlich beweist der Obdachlose im Umgang mit dem Streichinstrument großes Talent, wie mehrere Youtube-Videos zeigen. 


"Es war ein sehr spezieller Moment für uns und für die Musik im Ganzen", so Dupré, der hofft, mit der Aktion auch andere zu ermutigen, Menschen in Not zu helfen. "Es war nur eine kleine Geste, aber ich hoffe, sie inspiriert auch andere Menschen. Das sollte die Erkenntnis sein".

mod