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Mord-Aufruf gegen iranischen Rapper: "Ich habe kein normales Leben mehr"

Weil er einen Imam der Muslime beleidigt haben soll, hat ein iranischer Großayatollah den Rapper Shahin Najafi für vogelfrei erklärt. Seitdem muss der in Köln lebende Musiker um sein Leben fürchten. Jetzt hat Najafi Anzeige gestellt – wegen Aufrufs zum Mord.

Das CD-Cover zeigt eine weibliche Brust, die an die Kuppel einer Moschee erinnert. Die Regenbogenfahne der Schwulen- und Lesbenbewegung ragt aus der Brustwarze, darüber kreisen Geier. Genauso provokant der zutiefst ironische Text des Liedes "Naghi": Shahin Najafi singt darin gegen politische Unterdrückung, Schönheits- und Sexwahn und ruft den zehnten Imam der Muslime auf, endlich zurückzukehren.

Für Lotfollah Safi-Golpaygani reinste Blasphemie. Wie die Nachrichtenagentur Fars berichtet, hat der iranische Großajatollah jetzt eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) gegen den 31-jährigen Musiker erlassen, die ihn als Abtrünnigen des Glaubens brandmarkt. Mit diesem "Todesdekret" sind nicht nur Schiiten, sondern auch andere Muslime aufgerufen, den Mann zu ermorden und "für immer in die Hölle zu schicken". Najafi lebt nun an einem geheimen Ort unter Polizeischutz. "Ich habe kein normales Leben mehr", schrieb Najafi am Samstag auf seiner Facebook-Seite. Dem "Spiegel" gegenüber beteuerte er, weitermachen zu wollen: "Ich kann mich nicht verstecken. Ich bin Musiker. Ich muss auftreten."

Andererseits sei ihm aber auch klar, dass er "einfach aufpassen" müsse. "Die machen keinen Spaß." Anfangs habe er die Situation noch falsch eingeschätzt. "Ich konnte es nicht glauben. Erst als ich im Internet das Kopfgeld sah, die 100 000 Dollar, die auf mich ausgesetzt worden sind, verstand ich wirklich, das ist jetzt Ernst." Diese Einschätzung teile auch das nordrhein-westfälische Innenministerium, das die Lage für Najafi als "sehr ernst" einstufe, berichtete der "Spiegel".

"Iranischer Eminem" auf der schwarzen Liste

Najafi war im Iran ein Untergrundmusiker und politischer Aktivist, bevor er im Jahre 2005 nach Deutschland auswanderte. Im Iran werden seine Songs und Alben entweder auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen. Vielen gilt er als der "iranische Eminem". Besonders wegen seiner islamkritischen Texte steht Najafi schon seit längerem im Iran auf der schwarzen Liste der Dissidenten ganz oben.

Alī al-Hādī an-Naqī (Naghi) war nach dem Glauben der Zwölferschiiten der zehnte Imam und gilt somit als direkter Nachfahre des Propheten Mohammed. Er lebte im neunten Jahrhundert. Einige Muslime deuten das Cover von "Naghi" als Anspielung auf seinen Bestattungsort, den für Schiiten heiligen Hasan-al-Askari-Schrein.

jwi/DPA/AFP / DPA