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Mord an Yangjie L. Innenminister suspendiert Dessauer Polizeichef

Das Opfer studierte Architektur im 5. Semester an der Hochschule Anhalt in Dessau 
Das Opfer studierte Architektur im 5. Semester an der Hochschule Anhalt in Dessau 
© Polizei Dessau
Die chinesische Studentin Yangjie L. wurde in Dessau grausam ermordet. Die Eltern eines der Tatverdächtigen sind Polizisten - und stehen seit einiger Zeit im Zwielicht. Jetzt hat Sachsen-Anhalts Innenminister reagiert.

Nach dem Tod der 25 Jahre alten chinesischen Studentin Yangjie L. in Dessau hat Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) dem Leiter des Dessauer Polizeireviers mit sofortiger Wirkung die Ausübung der Dienstgeschäfte untersagt. Jörg S. ist der Stiefvater des Tatverdächtigen Sebastian F. Der Beamte sei dem moralischen Anspruch an Führungspersonal innerhalb der Polizei nicht mehr gerecht geworden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums am Montag in Magdeburg mit.

Zuvor hatten mehrere Medien über die Suspendierung von Jörg S. berichtet: Der Revierleiter und seine Frau hätten am Freitag - am Tag nach der Trauerfeier für die Chinesin - ein Gartenlokal wiedereröffnet und gefeiert, schrieb die "Mitteldeutsche Zeitung". "Der Revierleiter wird damit dem moralischen Anspruch und der Vorbildfunktion als Führungskraft in der Polizei nicht gerecht", zitierte das Blatt Stahlknecht. Der Minister handelte seinem Sprecher zufolge auch aus Fürsorgepflicht für die gesamte Polizei im Land - sie solle nicht wegen des vermeidbaren Verhaltens eines Einzelnen in die Kritik geraten. Ziel sei die Versetzung des Beamten.

Haben Jörg und Ramona S. Ermittlungen behindert?

Der brutale Mord an Yangjie L. beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen. Die Architekturstudentin war am 11. Mai zum Joggen aufgebrochen und nicht mehr zurückgekehrt. Zwei Tage später wurde ihre Leiche gefunden - bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der 20 Jahre alte Sebastian F. und seine gleichaltrige Partnerin gelten als dringend tatverdächtig. Sie sitzen wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Doch es geht in diesem Fall nicht nur um die Frage nach der Täterschaft. Denn es stehen Zweifel im Raum, ob bei den Ermittlungen alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Grund ist der familiäre Hintergrund von Sebastian F. Nicht nur sein Stiefvater, auch seine Mutter Ramona S. arbeitet bei der Polizei in Dessau-Roßlau - und es gibt Spekulationen darüber, dass beide die Aufklärung der Tat möglicherweise behindert haben. 

Stahlknecht setzt Sonderermittler ein

Nach Angaben von Klaus Tewes, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg, ist die Staatsanwaltschaft Magdeburg mit Vorprüfungen beschäftigt. Es werde untersucht, ob tatsächliche Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht vorliegen, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. Sollte das der Fall sein, müsse ein Ermittlungsverfahren gegen die Eltern eingeleitet werden. Es stünde dann der Vorwurf einer möglichen Strafvereitelung im Raum.

Innenminister Stahlknecht drängt auf die Aufklärung möglicher Unregelmäßigkeiten. "Es sind Vorgänge bekannt geworden, die wir dringend aufklären wollen, damit das Vertrauen in den Rechtsstaat nicht erschüttert wird“, sagte er der "Welt am Sonntag". Ein von ihm eingesetzter Sonderermittler solle die Vorwürfe genauer untersuchen.

Halfen die Eltern beim Umzug des Verdächtigen?

Fragen wirft etwa der Auszug des Tatverdächtigen aus seiner Wohnung auf. Wenige Tage, nachdem die Leiche der Chinesin auf einer Wiese direkt neben dem Haus gefunden worden war, zog Sebastian F. aus, angeblich wegen Schimmelbefalls. Die Ermittler haben die Wohnung mittlerweile als Tatort identifiziert, sie fanden in den Räumen Blutspuren des Opfers.

Zeugen wollen gesehen haben, dass Ramona S. und Jörg S. bei dem Umzug mithalfen. Das dementierten die Eltern in einem Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung". Die Mutter will beim Umzug gar nicht dabei gewesen sein. Stiefvater Jörg S. fuhr angeblich den Sprinter, habe die Wohnung aber nicht betreten, sagte er.

Dennoch stellt sich die Frage, ob bei Sebastian F.'s Auszug Beweismittel zur Seite geschafft wurden. "Ich war nicht in der Wohnung und kann dazu nichts sagen. Wenn etwas Auffälliges auf dem Hänger gewesen wäre, hätte ich sofort reagiert", so Jörg S. zur "MZ". Die Spekulationen, sagte er, seien "nicht auszuhalten".

Mutter war in Ermittlungen eingebunden

Für Unverständnis sorgt auch, dass Ramona S. kurzzeitig in die Ermittlungen eingebunden war. Das räumte sie im Interview mit der "MZ" ein. Sie habe bei Befragungen von Zeugen geholfen. Sie habe aber weder Zugang zu den Akten noch zu den Beweismitteln gehabt, sagte sie.

Beide Elternteile sind nach Informationen der "MZ" mittlerweile krankgeschrieben. Ihr Sohn und seine gleichaltrige Partnerin sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft. Das 20 Jahre alte Paar steht im Verdacht, Yangjie L. gemeinsam ermordet zu haben.

kis DPA

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