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Internationaler Frauentag Frauenrechtlerin: "Wenn ich einen Knopf drücken könnte, dann hätten wir eine sehr bunte Welt"

Sehen Sie im Video: Anwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ateş kämpft für Frauenrechte.




"Hallo, mein Name ist Seyran Ates. Ich bin Anwältin, Autorin und Moschee-Gründerin. 2021 wünsche ich mir für alle Frauen auf dieser Welt ein freies, selbstbestimmtes Leben." Susi ruft als weiblicher Muezzinin zum islamischen Gebet, Imanin Manaar predigt zum Freitagsgebet, das Männer und Frauen gemeinsam begehen. Was in den allermeisten traditionellen Moscheen undenkbar ist, ist in der liberalen Berliner Ibn Rushd Goethe Moschee gelebter Alltag. Jahrelang für diesen gleichberechtigten Weg gekämpft hat Moschee-Gründerin Seyran Ateş, die genau weiß, dass immer noch viel zu tun ist in Sachen Frauenrechte - auch und gerade am Internationalen Frauentag am 8. März. "Wenn man sich die islamischen Gesellschaften anschaut, dann sind da die Frauen alles andere als gleichberechtigt und sie werden in religiösen Positionen als Autoritäten nicht anerkannt, aus religiösen Orten weggedrängt. Ihnen wird gar nicht das Recht erteilt, überhaupt Autoritäten zu sein. Insofern gilt - wie für andere Religionen auch -, dass der Islam als Religion vielleicht theoretisch vieles möglich macht, aber das Patriarchat, also die Vorherrschaft des Mannes am Ende doch alles bestimmt." Die Moschee-Gründerin zieht Bilanz - und verweist dabei auch auf die Bundeskanzlerin. "Wenn ich mir so die letzten Jahrzehnte anschaue und die gesamte Weltkarte, dann sehen wir, dass Gewalt gegen Frauen, Femizide, Ehrenmorde, häusliche Gewalt, Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung, all diese Gräßlichkeiten, die Frauen erleben müssen und Verbrechen, dass sie nach wie vor existent sind, und in einem Maße existent sind, dass wir sagen können, dass wir nur kleine Schritte geschafft haben. Dennoch, wenn man sich einzelne Länder dieser Erde anschaut, und da muss man auch wirklich fair sein, gibt es große Sprünge auch. Man darf nicht vergessen, dass wir seit 16 Jahren eine Frau an der Spitze unseres Landes haben. Dinge, die undenkbar gewesen wären noch vor 100 Jahren." Für den Internationalen Frauentag hat sie einen Wunsch: "Wenn ich einen Knopf drücken könnte und die Welt wäre so, wie sie idealerweise meiner Vorstellung nach wäre, dann hätten wir eine sehr bunte, sehr plurale Welt, in der wir wirklich teilweise extremste Gegen-Vorstellungen haben und Lebensmodelle, und trotzdem unglaublich entspannt miteinander leben." Die Frauen und Männer in den Berliner Moschee wollen sich weiter für die Umsetzung dieser Vorstellung einsetzen.
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Anwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ateş kämpft seit Jahren für Frauenrechte. Zum Weltfrauentag wünscht sie sich, dass "alle Frauen auf dieser Welt ein freies, selbstbestimmtes Leben" führen können – und verweist dabei auch auf die Bundeskanzlerin.

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