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Medienberichte: Hohe Abzüge bei der Mütterrente

Die im Sommer eingeführte Mütterrente sollte die finazielle Situation von Frauen im Alter verbessern. Doch jetzt berichtet das ARD-"Mittagsmagazin" von Abzügen, die Einigen nur wenig übrig lassen.

Wer Witwenrente bezieht und dadurch Einnahmen hat, die durch die Mütterrente über den Freibetrag steigen, muss mit Abzügen rechnen

Wer Witwenrente bezieht und dadurch Einnahmen hat, die durch die Mütterrente über den Freibetrag steigen, muss mit Abzügen rechnen

Durch die im Sommer eingeführte Mütterrente schmilzt für viele Frauen die Witwenrente zusammen, sodass ihnen am Ende deutlich weniger übrig bleibt als erhofft. Wer nur eine Grundsicherung erhalte, könne ganz leer ausgehen, berichtete das ARD-"Mittagsmagazin" am Freitag. Denn die Grundsicherung werde um die Höhe der Mütterrente gekürzt.

Schon seit 1986 kommt es zu sogenannten Anrechnungen bei der Rente: Wer aus der Altersrente und etwaigen Nebeneinkünften derzeit mehr als 755 Euro im Westen und mehr als 697 Euro im Osten erhält, für den wird eine etwaige Witwenrente gekürzt: Was über dem Freibetrag steht, wird zu 40 Prozent "angerechnet", also abgezogen.

Von einem Euro bleiben 60 Cent

Die Mütterrente fließt in die Altersrente ein. Abzüge müssen demnach all diejenigen Bezieherinnen von Witwenrente hinnehmen, deren Altersrente durch das Plus der Mütterrente über den Freibetrag steigt. Von einem Euro Mütterrente jenseits des Freibetrages bleiben für sie nur 60 Cent übrig. Wie viele dies sind, lässt sich derzeit nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung noch nicht sagen.

Das "Mittagsmagazin" berichtete unter Berufung auf eine Berechnung der Deutschen Rentenversicherung Rheinland Pfalz, 15 Prozent der bezugsberechtigten Frauen, also bundesweit 1,45 Millionen, müssten Einbußen hinnehmen. Ein Sprecher der Behörde sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Zahlen stammten aus dem Jahr 2013 und umfassten sowohl Männer als auch Frauen, deren Witwen- oder Witwernrente durch ein Überschreiten des Freibetrages gemindert wurde. "Für 2014 liegt keine Berechnung vor", sagte Hans-Georg Arnold.

Anrechnung auf Grundsicherung

Kritik gibt es besonders an Fällen, in denen die Mütterrente ganz verschwindet. Wer von Grundsicherung lebe, erhalte zwar die Mütterrente. Der Betrag werde jedoch in gleichem Umfang von der Grundsicherung wieder gekürzt, berichtete die ARD. "Das heißt, der Staat steckt den Müttern in die linke Tasche einen Betrag rein (...) und mit der gleichen Hand holt er sich diesen Betrag aus der rechten Manteltasche wieder raus", sagte der Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz, Stefan Sell, dem "Mittagsmagazin".

Die im Rahmen des Anfang Juli in Kraft getretenen Rentenpakets der Bundesregierung verbesserte Mütterrente sieht vor, dass Frauen für vor 1992 geborene Kinder einen zusätzlichen Renten-Entgeltpunkt bekommen. Das entspricht einem Plus von 28,61 Euro pro Monat und Kind im Westen und 26,39 Euro im Osten.

kup/AFP / AFP
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