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Zurück in einer fremden Welt: Otis Johnson saß 44 Jahre im Gefängnis - und wundert sich über iPhones

Mit 25 wird der US-Amerikaner Otis Johnson zu einer Haftstrafe verurteilt. Mit 69 wird er aus dem Gefängnis entlassen - in eine ihm fremde Welt. Wie es sich anfühlt, plötzlich mit Smartphones und pinken Softdrinks zu leben.

Otis Johnson saß 44 Jahre im Gefängnis

Otis Johnson saß 44 Jahre im Gefängnis

Otis Johnson hat nicht viel vom Leben gehabt. Er war 25, als er wegen versuchten Mordes an einem Polizisten ins Gefängnis kam. Die nächsten 44 Jahre verbrachte er hinter Gittern, abgeschottet, fernab der Gesellschaft. Als er mit 69 Jahren frei kam, fand er sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Dem arabischen TV-Sender "Al Jazeera" erklärte Otis Johnson nun, wie es sich anfühlt, plötzlich in der Moderne zu leben - und überall telefonierenden Menschen zu begegnen.

"Ich stand hier sehr lange und habe mir diesen verrückten Kram angeschaut", sagt Johnson, während er dem wilden Treiben auf dem New Yorker Times Square zuschaut. Als er im August 2014 aus der Haft entlassen wurde und kurz darauf auf dem geschäftigen Platz landete, stellte er schnell fest, dass sich vieles verändert hatte: das Verhalten der Menschen, die Technologie.

"Die meisten Menschen redeten mit sich selbst", sagt er. Ihm sei aufgefallen, dass sie Kopfhörer in ihren Ohren hatten. Das habe er so bislang nur von Agenten gekannt. "Ich dachte: Ist denn jetzt jeder bei der CIA?" Mittlerweile weiß Johnson, was er da seltsames beobachtet hatte. "Sie nennen es iPhone oder so."

"Manche Leute gucken noch nicht einmal, wo sie langgehen"

Der moderne Mensch und sein Smartphone - daran musste sich der 69-Jährige erst einmal gewöhnen. "Manche Leute gucken noch nicht einmal, wo sie langgehen", sagt Johnson. "Das fand ich erstaunlich."

Noch eine Faszination: die Supermärkte. "Es gibt so viele Sachen, die man essen kann." Bunte Softgetränke haben es ihm angetan. "Pink, blau, das trinke ich manchmal. Einfach weil es lustig aussieht." Es gibt jedoch auch etwas, das sich nicht verändert hat: Die in den USA so beliebte Peanut Butter wird noch immer von derselben Firma hergestellt. "Skippy gibt es immer noch", stellt Johnson amüsiert fest.

Er wolle sich nicht mehr mit der Vergangenheit befassen, sondern nach vorne schauen, sagt Johnson. "So werde ich in der Gesellschaft überleben."