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Nach Charlottesville-Ausschreitungen: Sie entkam den Nazis, nun protestiert die 89-Jährige in New York

Nach den Ausschreitungen in Charlottesville, bei denen eine Frau zu Tode gekommen ist, gab es viele Anti-Nazi-Demonstrationen. Das Protestplakat einer New Yorkerin beeindruckte die Menschen in den sozialen Medien.

Marianne Rubin mit einem Plakat auf dem Union Square

Enkelin Lena Schnall fotografierte Marianne Rubin auf dem Union Square in New York City. Die 89-Jährige reagierte bei einer Anti-Neo-Nazi-Demonstration mit einem Plakat auf die Ausschreitungen in Charlottesville.

"Ich bin den Nazis schon einmal entkommen. Ihr vernichtet mich auch jetzt nicht." Aufrecht steht die 89-jährige Marianne Rubin auf dem Union Square mitten in New York City. Die Worte auf dem Plakat, das sie vor sich herträgt, sind eindeutig. Sie weiß, wie es ist, unter einem Nazi-Regime zu leben. Als jüdisches Kind in Deutschland hat sie mitbekommen, wie Menschen ausgegrenzt, gesellschaftlich isoliert, gequält und getötet werden. Sie hat erlebt, wie es ist, wenn der Hass regiert. Die Geschehnisse in , Virginia, haben ihr am vergangenen Samstag so zugesetzt, dass sie Sonntag auf die Straße gegangen ist: Auf dem Union Square hatten sich rund 100 Menschen versammelt, um gegen den Hass zu demonstrieren, der in Charlottesville dazu geführt hat, dass ein Neo-Nazi seinen Wagen durch eine Gruppe friedlicher Gegendemonstranten gelenkt und dabei eine Frau getötet hat.

In einem Interview mit der "Huffington Post" erinnert sich Rubin daran, was sie mit sechs Jahren in Deutschland erlebt hat. NS-Soldaten waren in die Wohnung eingedrungen und haben ihre Familie angegriffen. "Ich wusste, dass etwas Schlimmes passiert. Sie marschierten herein und stießen mich um. Dann stießen sie meinen Vater auf den Boden, ich habe ihn dort liegen sehen." Als die Männer ein Stockwerk höher gingen, schloss Rubin die Wohnungstür und schloss ab. "Mein Vater hat das nie vergessen und sich immer wieder dafür bedankt." Ende der 1930er Jahre floh die Familie aus Deutschland, zunächst nach Italien, anschließend nach Frankreich, von wo aus sie in die USA übersetzten. Doch nicht alle überlebten. Ihre Großmutter war nach Deutschland zurückgekehrt, um weitere Familienmitglieder bei der Flucht zu unterstützen. Sie starb im KZ Theresienstadt.


Eine Botschaft für Trump

Rubin "fand es unglaublich", dass Neo-Nazis und Gruppen weißer Rassisten nun wieder auftauchen. Sie hat ihr Plakat von der Demo draußen an ihre Haustür in Westchester, , gehängt – als Nachricht an Donald Trump, wie sie der "Huffington Post" erzählte. Der US-Präsident hatte am Wochenende die Übergriffe der Rassisten nicht scharf verurteilt, was ihm mehrfach angekreidet worden war. Temperamentvoll beantwortete Rubin die Frage, was sie Trump sagen möchte mit: "Fuck you." Und erklärte lachend: "Meine Kinder wissen, was ich damit meine: Ich will sagen: Tu das nicht, was du tust."