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Nach Falschaussagen: Chinesische Zeitung zeigt Reue

Einen Tag nach dem "Geständnis" ihres Reporters, bewusst falsche Artikel über einen Baukonzern verfasst zu haben, hat die chinesische Zeitung "New Express" sich selbst mangelnder Sorgfalt bezichtigt.

Mit einer umfassenden Entschuldigung bei seinen Lesern hat der staatliche "New Express" in China erneut die Debatte um seinen inhaftierten Reporter Chen Yongzhou angefacht. Dieser hatte am Samstag eingeräumt, für Geld gezielt negativ über Zoomlion, das zweitgrößte Bauunternehmen des Landes, berichtet zu haben. Unklar bleibt weiterhin, ob vor seinem "Geständnis" Druck auf ihn ausgeübt worden war.

Noch Mitte vergangener Woche hatte die im südchinesischen Guangzhou ansässige Zeitung "New Express" auf ihrer Titelseite die Freilassung des am 19. Oktober inhaftierten Journalisten gefordert. Unterstützt wurde sie dabei von weiteren Medien sowie Menschenrechtsaktivisten. Diese kritisierten, dass die Festnahme im Widerspruch zu dem von der Kommunistischen Partei ausgerufenen Kampf gegen Korruption stehe.

Am Sonntag bestätigte die Zeitung: "Eine vorläufige Untersuchung der Polizei hat gezeigt, dass unser Reporter Chen Yongzhou von anderen animiert wurde, für Geld eine Reihe unrichtiger Geschichten zu schreiben." Man selbst habe "bei der sorgfältigen Überprüfung der Berichte versagt", heißt es am Ende der Stellungnahme. Wie Chen selbst, so lieferte auch die Zeitung keinen Hinweis darauf, von wem der Journalist bezahlt worden sein soll.

"Ich bedaure das zutiefst."

Chen hatte dem Konzern in seinen Berichten vorgeworfen, seine Erträge künstlich aufgebläht zu haben. Zoomlion ist an den Börsen in Hongkong und Shenzhen notiert und befindet sich nach Informationen der BBC teilweise in Staatsbesitz.

"Ich bedaure das zutiefst. Ich hoffe, dass die Nachrichtenbranche etwas aus meinem Verhalten lernen kann", sagte der 27-jährige Chen in einem von der Polizei aufgezeichneten Geständnis. Trotz des vom Staatsfernsehen ausgestrahlten "Geständnisses" hatte die in Hongkong ansässige Zeitung "South China Morning Post" in einem Leitartikel vom Samstag die "legitime Berichterstattung" Chens verteidigt.

Der Direktor des Zentrums für Internationale Kommunikationswissenschaften an der Pekinger Universität für ausländische Studien, Qiao Mu, bewertete den Fall im chinesischen Kurznachrichtendienst "Weibo" als "katastrophal" für die Glaubwürdigkeit des Journalismus.

awö/DPA / DPA
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