HOME

Nach Tod von Kates Krankenschwester: Schwere Vorwürfe gegen Radiosender

Nach dem Tod der Krankenschwester, die in Kates Klinik Opfer eines Trickanrufs wurde, sieht sich 2Day FM scharfer Kritik ausgesetzt. Der australische Sender ist berüchtigt für seine makaberen Scherze.

Fassungslosigkeit nach dem Tod der Krankenschwester Jacintha Saldana. Die verheiratete Mutter zweier Kinder war am Freitag unter nicht näher genannten Umständen tot aufgefunden worden. Die Mitarbeiterin des King Edward VII Hospitals hatte unwissentlich einen Scherzanruf von zwei Moderatoren des australischen Radiosenders 2Day FM angenommen und in die Abteilung der schwangeren Herzogin Kate durchgestellt. Die Radiomoderatoren hatten sich als Queen Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben, um Auskunft über Kates Gesundheitszustand zu bekommen.

Nun steht 2Day FM stark in der Kritik. Die Facebook-Seite des Senders wurde nach Bekanntwerden von Saldanas Tod mit verärgerten Reaktionen überschwemmt. In vielen der mehreren Tausend Posts wurde die Entlassung der beiden Moderatoren gefordert, berichtete ABC-News. Der Sender wurde zudem aufgefordert, eine Entschädigung an die Hinterbliebenen zu zahlen.

Der australische Sender steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. 2009 hatte der Fall einer 14-Jährigen für Proteste gesorgt: Moderatoren hatten sie während einer Sendung an einen Lügendetektor angeschlossen und so dazu gebracht, öffentlich über ihr Sexualleben zu sprechen. Unter anderem berichtete das Mädchen, es sei im Alter von 12 Jahren vergewaltigt worden. Ein anderes Mal gab der in Sydney ansässige Sender vor, 150.000 australische Dollar (etwa 120 000 Euro) zur Unterstützung eines behinderten Kindes gesammelt zu haben. In Wirklichkeit aber erhielt die betroffene Familie nur die Namen williger Spender und konnte letztlich nur einen kleinen Teil des versprochenen Geldes einsammeln. In einer anderen Aktion versprach der Sender einer Mutter mit vier behinderten Kindern Eintrittskarten für eine Show - aber nur, wenn ihr diese kein anderer Hörer wegschnappt.

Inzwischen hat sich ein erster Werbekunde von der Radiostation distanziert. So zog die Supermarktkette Coles ihre Werbespots bei dem Sender zurück und erklärte dazu, die Australier seien "verärgert und erschüttert über die tragischen Konsequenzen" dieses Streichs. Auch andere Unternehmen kündigten gebuchte Werbung bei 2Day FM. Kommunikationsminister Stephen Conroy forderte den Medienkontrollrat Australiens auf, die Angelegenheit zu untersuchen.

2Day FM sprach in einer Mitteilung von einer "Tragödie" und äußerte sein "tiefstes Mitgefühl mit ihrer Familie und allen, die von dieser Situation weltweit betroffen sind". Die für den Streich verantwortlichen Radio-DJs würden vorerst ihre Show ruhen lassen - "aus Respekt für das, was nur als Tragödie beschrieben werden kann".

Kate und William sind "tief traurig"

Über die genauen Todesumstände der Krankenschwester herrscht unterdessen weiter Unklarheit. Ein Fremdverschulden schlossen die Ermittler aus," Britische Medien gehen angesichts der Umstände von Selbstmord aus.

Die Herzogin von Cambridge war wegen ihrer Schwangerschaftsübelkeit von Montag bis Donnerstag in der Privatklinik behandelt worden. Prinz William und seine Frau Kate reagierten "tief traurig" auf die Nachricht, wie der St. James's Palace mitteilte. "Es wurde sich im King Edward VII Hospital zu jeder Zeit von jedem wundervoll um Ihre königlichen Hoheiten gekümmert - und ihre Gedanken und Gebete sind bei Jacintha Saldanhas Familie, den Freunden und den Kollegen in dieser sehr schwierigen Zeit."

Der St. James's Palast bestritt, dass die Royals wegen der Indiskretion auf Konsequenzen gedrungen hätten. "Zu keinem Zeitpunkt hat sich der Palast bei dem Krankenhaus über den Vorfall beschwert. Im Gegenteil: Wir haben den beteiligten Krankenschwestern und dem Krankenhaus-Personal zu jeder Zeit unsere vollste, von Herzen kommende Unterstützung angeboten".

"Jeder hier ist schockiert"

Nach BBC-Informationen soll Saldana die Mitarbeiterin gewesen sein, die den Anruf zur Station durchstellte - nicht die Kollegin, die Auskunft über Kates Wohlbefinden gab und in den frühen Morgenstunden kurz erklärte, es gehe der schwangeren Herzogin von Cambridge gut und sie schlafe gerade. Die Klinik hatte eine rasche Untersuchung angekündigt, wie es zu dem Fauxpas kommen konnte.

Laut BBC wurde Saldana weder suspendiert noch anders bestraft - dennoch soll sie nach der Panne am Dienstag "einsam und verwirrt" gewirkt haben. Die Klinik teilte mit, sie habe der Frau durch die schwere Zeit nach dem Telefonscherz geholfen. Saldana habe mehr als vier Jahre in dem Krankenhaus gearbeitet und sei eine "exzellente Krankenschwester" gewesen - "respektiert und beliebt" bei allen Kollegen. "Jeder hier ist schockiert."

be/DPA / DPA