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Nach Wikileaks-Enthüllungen: Assange soll sich in England aufhalten

Er ist einer der meistgesuchten Menschen auf dem Planeten: Einem Zeitungsbericht zufolge hält sich Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange in England auf. Der Polizei sei sein Aufenthaltsort bekannt, er dürfe wegen eines inkorrekten Haftbefehls nicht festgenommen werden.

Der mit internationalem Steckbrief gesuchte Chef der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, soll sich in Großbritannien, und zwar im Südosten Englands, aufhalten. Das berichtet die Tageszeitung "The Times". Die britische Polizei wisse, wo sich der Australier aufhalte, so die Zeitung weiter. Assanges Anwalt Mark Stephens bestätigte der "Times", dass die Behörden den genauen Aufenthaltsort kennen würden.

Einer Festnahme soll Assange danach bisher nur wegen eines inkorrekten Haftbefehls in Großbritannien entgangen sein. "Es ist kein ordentlicher Haftbefehl, wir können auf seiner Grundlage nicht handeln", zitierte die Zeitung aus Polizeikreisen.

Kontaktdaten schon im Oktober übermittelt?

Die internationale Polizeiorganisation Interpol hatte Assange wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe in der Nacht zum Mittwoch auf die Fahndungsliste gesetzt. Der Oberste Gerichtshof in Stockholm wies am Donnerstag eine Klage des 39-jährigen Australiers auf Aufhebung des schwedischen Haftbefehls ab. Der Wikileaks-Mitbegründer wurde seit Beginn der Veröffentlichung von 250.000 Dokumenten des US-Außenministeriums durch die Internetplattform am Sonntag nicht in der Öffentlichkeit gesehen.

Nach einem Bericht des "Independent" habe der 39-Jährige der Polizei bereits im Oktober nach seiner Ankunft im Land seine Kontaktdaten zur Verfügung gestellt. Assange halte sich im Lande bedeckt, schreibt das Blatt, "während seine Feinde sein Blut fordern".

Drohungen und Mordaufrufe

Nach Ansicht eines Wikileaks-Sprechers muss Assange um sein Leben fürchten. Seine Sicherheit sei nach der Veröffentlichung von brisanten Dokumenten des US-Außenministeriums in Gefahr, sagte Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson am Mittwochabend in London. Es habe Drohungen von Regierungen und Kommentatoren gegeben. "Es gab sogar Rufe nach einer Ermordung von Julian Assange." Deshalb fürchte Assange zurecht um seine Sicherheit, sagte Hrafnsson.

Hrafnsson reagierte offensichtlich auf Aussagen aus Nordamerika. In den USA hatte der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, Medienberichten zufolge gefordert, dass der Verantwortliche für die Wikileaks-Enthüllungen wegen Verrats angeklagt und hingerichtet werden solle. In Kanada sagte ein Berater von Regierungschef Stephen Harper - offensichtlich ironisch - im Fernsehen, Assange sollte "getötet werden" und US-Präsident Barack Obama könnte "eine Drohne nutzen".

be/DPA/AFP / DPA