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"Wir und Corona" Chefredakteur Florian Gless: "Es ist wie bei der Kriegsberichterstattung"


Wie berichtet die Redaktion des stern in der Krise? Im Podcast "Wir und Corona" spricht Chefredakteur Florian Gless über besondere Bedingungen, Verantwortung – und die Lage der Branche.

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Wie arbeiten stern-Journalisten in der Corona-Krise? Wie können sie berichten, auch wenn sie selbst oft nicht das tun können, was sie sonst immer tun: Raus gehen, nah ran an die Menschen, vor Ort sein? Gemeinsam mit Anna-Beeke Gretemeier ist Florian Gless Chefredakteur des stern. In "Wir und Corona", dem gemeinsamen Podcast von stern und RTL, gewährt Gless einen Blick hinter die Kulissen, beschreibt, wie die Redaktion trotz allem funktioniert, wie sich das Berichten verändert, aber auch, wie die Krise die Branche erschüttert. Denn Journalismus ist gefragt wie nie, gleichzeitig rüttelt die Krise auch an wirtschaftlichen Grundfesten von Medienunternehmen.

"Wir arbeiten rund um die Uhr, weil natürlich gerade so irrsinnig viel passiert und weil wir mit einer völlig neuen Lebenssituation, einer völlig neuen Weltsituation konfrontiert sind. In solchen Situationen sind Journalisten sehr gefragt und von besonderer Bedeutung, weil wir helfen können, nicht nur zu beschreiben, was passiert, sondern auch einzuordnen, zu sortieren und zu analysieren." 

Gless beschreibt einerseits, wie viele Kollegen und Kolleginnen nun tatsächlich auch von zu Hause, vom Küchentisch aus arbeiten, recherchieren, wie sie Interviews per Skype oder Zoom führen, wie auch in einer Redaktion nun Themen über Videokonferenzen diskutiert werden. Gless berichtet aber auch davon, wie Reporter natürlich immer noch, trotz aller Beschränkungen rausgehen, vor Ort sind, wie etwa die Auslandsreporter des stern in New York. Besonders auf sie gemünzt sagt er: "Es gelten Bedingungen wie bei der Kriegsberichterstattung. Wir müssen die gleichen Vorsichtsmaßnahmen treffen und im gleichem Ausmaß an das Verantwortungsbewusstsein unserer Reporter appellieren, wie wir es tun, wenn sie im echten Kriseneinsatz an der Front sind." 

Gless beschreibt aber auch, wie wichtig für den Journalismus die persönlichen Begegnungen sind, vor Ort, aber auch in der Redaktion. "Das Quatschen auf dem Flur ist extrem wichtig", sagt Gless. "Henri Nannen hat ja gesagt: Das Heft entsteht auf dem im Flur. Das ist eine der großen Weisheiten, der ich hundert Prozent zustimmen würde. In einer Redaktion kann gar nicht genug Gerede sein, das muss Surren wie in einem Bienenstock. Und da müssen die Themen entwickelt werden. Das ist natürlich im Moment extrem schwer. Und das ist etwas, was ich ganz, ganz wichtig finde, gerade für den stern, weil wir ja immer versuchen, wirklich das Leben abzubilden und auch den Alltag unserer Leser immer wieder zu erfassen und nicht nur die Nachrichtenlage wiederzukauen."


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