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"STERN nachgefragt": Nachhaltigkeit oder Sauftourismus? Experte über die Zukunft Mallorcas und warum der Lockdown auch Positives hatte

Wie auf dem Mond sind Test-Touristen jetzt auf Mallorca gelandet. Aber was passiert, wenn es wieder richtig losgeht? Wie kann die Zukunft der Insel aussehen? Chefredakteur der "Mallorca-Zeitung" Ciro Krauthausen erzählt von der Lage auf der Insel.

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Mit Jubel, Klatschen und viel Tamtam sind gestern erstmals seit Beginn der Coronakrise wieder deutsche Touristen auf Mallorca begrüßt worden. Sie gehören zu einer Gruppe von insgesamt 10.900 Test-Touristen, die probeweise in die Region geflogen werden, um das Sicherheitssystem auszuprobieren. Für die Balearen, für Spanien, aber auch für die großen Reiseveranstalter ist das ein großer Schritt. Denn die Botschaft lautet: Ihr könnt wieder kommen. Hier ist’s sicher. Fürchtet euch nicht! Schon gar nicht vor dem Virus.

Wie haben Einheimische den harten Lockdown auf der Insel erlebt? Wie die deutsche Community? Was ist von dem Sicherheitskonzept zu halten? Und wie soll das funktionieren, wenn demnächst, ab dem 21. Juni, nicht nur Test-Touristen ins Land dürfen, sondern – theoretisch – alle? Was bedeutet die Krise für den Sauftourismus auf der Insel, der selbst der Balearen-Regierung seit Jahren ein Dorn im Auge ist? Nutzt die jetzt die Chance, um Partyzonen wie dem "Bierkönig" oder dem "Megapark" den Garaus zu machen, um offiziell ein Ischgl am Strand, also eine Masseninfektion mit dem Coronavirus wie seinerzeit beim Après-Ski unmöglich zu machen? Und kann das Konzept aufgehen, auf nachhaltigere Formen des Tourismus zu setzen? Darüber spricht Ciro Krauthausen, Chefredakteur der "Mallorca-Zeitung", in der aktuellen Folge von "STERN nachgefragt", dem Podcast mit Host und stern-Redakteur Florian Güßgen. 

Ist ein nachhaltiger Tourismus auf einer Insel wie Mallorca möglich?

"Es kann schon sein, dass die Landesregierung versucht, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Auflagen so hoch ansetzt, dass die Geschäftstätigkeit im Grunde genommen nicht mehr möglich, sprich: auch diese Art von Party nicht mehr möglich ist", sagt Krauthausen. "Mallorca hadert schon seit vielen, vielen Jahren mit dem negativ konnotierten Sauftourismus und den Exzessen, die da stattfinden."

Ob das aber funktionieren kann, da gibt sich Krauthausen vorsichtig: "Es hat auch etwas Elitäres, wenn man sagt: Nee, das wollen wir nicht. Am liebsten hätten wir nur Golftouristen, die in teuren Hotels unterkommen." Auch ob das Reisen nach Mallorca prospekthaft nachhaltig sein kann, bezweifelt Ciro Krauthausen, allein schon wegen der Insellage. "Ein nachhaltiger Tourismus auf einer Insel, die so stark vom Flugverkehr abhängig ist, ist schwierig. Da stellen sich doch erhebliche Zweifel, ob das nachhaltig möglich ist, wenn man den ökologischen Fußabdruck ausrechnet."

"Das hat der Insel wirtschaftlich sehr zugesetzt"

In dem Gespräch beschreibt Krauthausen, wie es der deutschen Community auf Mallorca während der Krise ergangenen ist, wie sich vor allem aber auch diejenigen echauffiert haben, denen es während des Lockdowns nicht gelang, zu ihrer Wohnung oder ihrem Haus auf der Insel zu fliegen. "Die Verunsicherung war gerade unter diesen Pendlern sehr, sehr groß. Und da hat es auch viel böses Blut gegeben, weil viele es auf Anhieb nicht verstanden, dass sie jetzt über Wochen oder Monate nicht einreisen konnten zu ihren Ferienhäusern oder zu ihren Zweitwohnungen."

Krauthausen, der seit 13 Jahren auf Mallorca lebt, sagt, ihn habe überrascht, wie groß der Anteil der Pendler in der deutschen Community auf Mallorca ist. "Für mich ist es eine der Erkenntnisse, die ich jetzt aus den vergangenen Monaten gewonnen habe, dass der Teil dieser Community, der gar nicht ständig auf der Insel ist, sondern im Grunde genommen pendelt zwischen Deutschland und Mallorca, erheblich größer ist, als man aus offiziellen Statistiken ablesen kann. Es gibt sehr, sehr viele Menschen, die einfach nur zeitweilig auf der Insel sind." 

Für die Einheimischen habe die Krise trotz aller wirtschaftlichen Nöte wegen der fehlenden Touristen auch Positives mit sich gebracht, erzählt Krauthausen. "Die Insel 'gehörte' den Mallorquinern und den Menschen, die hier auf der Insel leben. Man konnte durch die Einkaufsstraße gehen und man hörte so gut wie kein Deutsch und so gut wie kein Englisch. Die Mallorquiner hatten die Insel erstmals für sich. Das war schon eine ganz besondere Stimmung", sagt Krauthausen. Dennoch hält er den Re-Start jetzt für richtig, auch den Probelauf mit den Test-Touristen. "Das ist schon ein wichtiges Zeichen. Es hat viel Symbolkraft. Es kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem seit Mitte März keine Besucher und Gäste auf die Insel gelangen konnten. Das hat der Insel wirtschaftlich schwer zugesetzt."

Das vollständige Gespräch mit Ciro Krauthausen hören Sie hier im Podcast.