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"STERN nachgefragt": "Der Mensch hat seine Grenzen überschritten" – warum die Coronakrise dem Klimawandel nur eine Atempause verschafft

Kann die Coronakrise zumindest das Klima retten? Nein, sagt die Meeresbiologin und Klimaforscherin Antje Boetius – und erklärt, welche Lehren sich aus der Pandemie ziehen lassen.

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Die Coronakrise hilft dem Klima, könnte man denken. Die Luft etwa, ist an vielen Orten so rein und klar wie lange nicht mehr. Von Nordindien aus kann man das Himalaya-Gebirge sehen, das ging die 30 Jahre zuvor nicht. In Venedig soll das Wasser der Kanäle so klar sein, dass man den Grund sehen kann. Und die Flugzeuge, diese CO2-Schleudern, stehen jetzt oft am Boden. Bedeutet Corona also zumindest für die Klimaentwicklung eine Entlastung? Oder trügt der Eindruck und die apokalyptischen Eindrücke der Coronakrise drängen die echte Apokalypse, nämlich die Klimakrise, nur ein Stück weit in den Hintergrund.

Über diese Fragen spricht Host Florian Güßgen in der neuen Folge des stern-Podcasts "Nachgefragt" mit der Meeresbiologin und Klimaforscherin Antje Boetius. Als Direktorin leitet die Professorin das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Sie ist maßgeblich an der Organisation der Forschungsmission MOSAiC beteiligt, der größten Expedition in die Arktis, die im vergangenen September gestartet ist und trotz vieler Corona-Widrigkeiten immer noch läuft. Als Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Wissenschaftsakademie, hat Boetius jedoch auch an Klima-Empfehlungen für die Bundesregierung mitgearbeitet, die in den vergangenen Tagen veröffentlicht worden sind. Und Boetius kommt eine führende Rolle bei der Frage zu, wie die Wissenschaft kommunizieren sollte, wie Wissenschaftler also ihre Erkenntnisse vermitteln sollten. Die Frage nach Wissen und der Wahrheitssuche ist gerade jetzt in Zeiten mehrfacher Krisen wichtiger denn je – wie nicht zuletzt die Diskussion über die Arbeit des Virologen Christian Drosten zeigt.

In dem Podcast spricht Boetius über die Forschungsmission MOSAiC, über den Trugschluss, dass die Coronakrise der Klimapolitik so etwas wie eine Atempause verschafft, über notwendige klimapolitische Maßnahmen – und über die Freude auf ihren nächsten Tiefsee-Tauchgang. "Hitzewellen, Fluten, Pandemien, das alles sind Konsequenzen. Und die sind nicht göttlich in dem Sinn, dass es eine höhere Macht geben würde, die eine böse Strafe auf die Menschen senkt, sondern sie sind reaktiv", sagt Boetius. "Sie sind eine Reaktion in einem Ökosystem Planet Erde auf eine Art, die ihre Grenzen überschritten hat. Und die Art sind wir Menschen".

Das ganze Gespräch mit Antje Boetius hören Sie hier im Podcast.