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"Wir und Corona" "Für viele Frauen ist das Zuhause ein gefährlicher Ort"


Was tun, wenn das Homeoffice zur Hölle, wenn der Partner gewalttätig wird? Im Podcast "Wir und Corona" gibt die Koordinatorin einer Berliner Hilfs-Hotline Frauen konkrete Empfehlungen.

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Gerade für Frauen kann sich das Homeoffice, die Zeit zu Hause mit Partner und Kindern, schnell zur Hölle entwickeln, dann nämlich, wenn sie in der räumlichen Enge zu Opfern häuslicher Gewalt werden – und es derzeit noch weniger Auswege gibt, als zu normalen Zeiten. In Frankreich ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt seit Beginn der Ausgangssperre um 30 Prozent angewachsen, in Paris sogar um 36 Prozent. Für Deutschland sagte Jörg Ziercke, der Bundesvorsitzende des Weißen Rings: "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen."

In "Wir und Corona", dem täglichen Podcast von stern und RTL, berichtet Sarah Trentzsch, Koordinatorin der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG), über die derzeitige Nachfrage nach der Hotline, über die Situation in Frauenhäusern – und sie gibt konkrete Empfehlungen für Frauen in Not. Zwar hat Trentzsch bei Ihrem Angebot bislang keinen signifikanten Anstieg an Anrufen erhalten. Aber das muss noch nicht viel bedeuten, weil bedrohte Frauen in der gegenwärtigen Situation weniger Möglichkeiten haben, unbeobachtet zu telefonieren. Ein ähnliches Phänomen hat die Regierung auch in Frankreich beobachtet: Trotz des Anstiegs der Fälle gab es dort kaum Zuwachs bei den Hotlines.

Dennoch ist die Situation in der Corona-Krise aus Sicht von Trentzsch nicht mit der Bedrohungslage etwa während Feiertagen vergleichbar. "Weil es einfach viel länger andauert und viel ungewisser ist, wann sich das wieder auflöst", sagt sie. "An Feiertagen kann man trotzdem Menschen besuchen, in Austausch gehen – oder auch abhauen. Jetzt wird das explizit verboten oder unterbunden. Man soll wirklich nur mit seinen Engsten, mit Partnerinnen und Partnern und Familie zusammen sein. Das ist natürlich schwierig, wenn die Partnerschaft nicht so harmonisch ist, wie man sich das so vorstellt. Für viele Frauen ist das Zuhause einfach ein gefährlicher Ort." In dem Podcast sagt Trentzsch aber auch, dass die Politik gerade versuche, auch für einen Anstieg bei den Fällen häuslicher Gewalt Vorkehrungen zu treffen – etwa durch mehr Plätze in Frauenhäusern.

In dem Podcast berichtet auch Michael Wünning, Chefarzt im Notfall- und Akutmedizinzentrum des Marienkrankenhauses Hamburg, über die gegenwärtige Lage in seiner Klinik – vor allem darüber, welche Schutzvorkehrungen bei der Aufnahme älterer Patienten getroffen werden.


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