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"Wir und Corona" "Die ungerechteste Form von Abiturprüfung": So erlebten drei Schüler das erschwerte Corona-Abitur


Sind Corona-Abiturprüfungen wirklich so eine "krasse Scheiße", wie der Youtuber Rezo behauptet? Im Podcast "Wir und Corona" berichten drei Abiturienten, wie sie sich vorbereiten konnten, wie sie die Prüfungen erlebten und wie die Krise ihre Zukunftspläne beeinflusst.

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Die Schule steht immer wieder im Zentrum der Corona-Krise: Wie läuft der digitale Fernunterricht?, lautet eine der zentralen Fragen. Eine andere: Ist es richtig, die Schule jetzt langsam wieder aufzumachen, und vor allem: Ist es richtig, jetzt das Abitur schreiben zu lassen, kann das gesund sein – und gerecht?

Gerade um das ob und wie der Abiturprüfungen ist in den vergangenen Wochen gestritten worden. Schon kurz nach Beginn der Kontaktsperre hatte sich Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, dafür ausgesprochen, die Prüfungen in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Der Vorschlag wurde von den anderen Länderkollegen kassiert – und seit ein paar Tagen laufen nun in einigen Bundesländern die ersten Prüfungen.

In "Wir und Corona", dem Podcast von stern und RTL, berichten nun drei Abiturienten aus Hamburg und Schleswig-Holstein, wie es ihnen mit dem Corona-Abitur ergeht, wie sie sich vorbereiten konnten, wie sie die Prüfungssituation erlebt haben und wie die Corona-Krise ihre Zukunftspläne beeinflusst.

Abiturprüfungen unter erschwerten Umständen

"Das Gefühl von Sicherheit war nicht da", berichtet etwa die 17-jährige Amelie Paassen aus Hamburg. "Man hat immer im Kopf, dass das ein bisschen komisch ist." Auch als Mitglied der Schüler*innenkammer Hamburg kritisiert sie, dass die Abiturprüfungen jetzt abgehalten werden. "Das ist die ungerechteste Form von Abiturprüfung, die hätte entschieden werden können", sagt sie. Die Vergleichbarkeit gegenüber anderen Jahrgängen aber auch zwischen einzelnen Bundesländern sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt schlicht nicht oder noch nicht gegeben. Aber auch unterschiedliche sozioökonomische Bedingungen der Schüler zu Hause würden durch die Krise verschärft – und spiegelten sich möglicherweise in den Ergebnissen der Abiturprüfung wider. "Durch die Corona-Krise haben wir, was die Prüfung angeht, einen großen Nachteil", sagt Paassen.

Allerdings zeigt das Gespräch mit den Schülern auch, dass die konkreten Bedingungen vor Ort oft gut zu handhaben sind. "Es war eine sehr entspannte Atmosphäre in der Schule. Es war sogar entspannter, als wenn ich unter normalen Bedingungen Abitur geschrieben hätte, weil die Schule komplett leer war. Nur wir Abiturienten und Abiturientinnen waren dort", sagt etwa der 17-jährige Julian Dercho, der in Itzehoe in Schleswig-Holstein gerade seine Prüfungen absolviert.

Er spricht zwar auch von großen "Disparitäten" zwischen den Bedingungen, die Schüler erleben, und sich daraus ergebenden Gerechtigkeitsfragen, beschreibt die Prüfung für sich persönlich aber auch als Chance, seinen Abiturschnitt insgesamt zu verbessern. Ein sogenanntes "Durchschnittsabitur", dessen Gesamtnote sich aus den schon bereits erbrachten Leistungen berechnet hätte, hätte auch seine gesamten Vorbereitungen wertlos gemacht.

Ist die Zukunft der Corona-Abiturienten gefährdet?

Was für Folgen das "Corona-Abitur" für die Zukunft der Corona-Abiturienten haben wird, ist offen. Klar ist aber jetzt schon, dass die Krise die unmittelbaren Zukunftspläne der Abiturienten verhagelt. Nach dem Abitur erst einmal die große Freiheit, die große, weite Welt? Von wegen. Laura Loest, 18, ebenfalls Abiturientin aus Hamburg, berichtet in dem Podcast davon, dass ihre Reisepläne, etwa in die USA, natürlich hinfällig sind. Ob ihre Pläne, im Herbst mit dem Jura-Studium zu beginnen, dadurch auch beeinträchtigt werden, ist offen – die Bewerbungsverfahren der Universitäten, für die sie sich interessiert, laufen noch.

Amelie Paassen musste einen lange geplanten Aufenthalt in Kanada absagen. Sie hatte allerdings Glück im Unglück und konnte sich erfolgreich auf einen Platz für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bewerben – mit einem Online-Bewerbungsgespräch, versteht sich. Julian Dercho muss eine lange geplante Reise mit der Interrail durch Europa absagen. "Der große Trip in die Freiheit bleibt mir leider verwehrt", sagt er. Er hofft, dass er nach dem Abitur zumindest, wie geplant, Praktika absolvieren kann. Die Abibälle werden vermutlich bei allen dreien abgesagt, auch wenn das noch an keiner Schule offiziell bestätigt ist. Auch der Corona-Abiball muss nachgeholt werden. Irgendwann.


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