HOME

stern-Logo Alles zum Coronavirus

Podcast

"Wir und Corona": Trend zum Laufen: Macht die Krise uns Deutsche etwa fitter? Sportpsychologe Oliver Stoll klärt auf

Während des Lockdowns schien plötzlich das ganze Land zu joggen, zu rennen, zu laufen. Trügt der Eindruck? Zum Teil, sagt der Sportpsychologe Oliver Stoll, der auch verrät, was Freizeitsportler von den Profis lernen können.

Hören Sie den Podcast hier oder direkt bei Audio NowSpotify, iTunes, Youtube und weiteren Podcast-Anbietern.

Fitter dank Coronakrise? Das hat ja etwas Zynisches. Und trotzdem scheint genau das auf viele Deutsche zuzutreffen. Oder ist Ihnen das nicht aufgefallen? Diese Menge an Leuten, die seit Beginn des Homeoffice-Zeitalters plötzlich am Laufen sind, am Rennen, am Joggen, in Parks, an Uferwegen, auf Straßen – oft in brandneuem Laufzeug? Man hatte jedenfalls zeitweise das Gefühl, dass ganz Deutschland jetzt rennt, wenn auch, freilich auf Abstand.

Wer sind die Neuen auf der Strecke? Sind das Anfänger oder geübte Sportler aus anderen Disziplinen, die jetzt eben beim Laufen einen Ausgleich suchen? Und was macht den Reiz am Laufen aus? Was muss im Gehirn geschehen, damit man in den "Flow" gerät, dass die eigenen Gedanken mit der Wirklichkeit verschmelzen, man weder Straße noch Zeit wahrnimmt? Macht Musik schneller? Und wie groß ist das Risiko – ja, ja, gleich wieder eine Warnung! – dass das Laufen süchtig machen kann?

Darüber und über vieles geht es in der aktuellen Folge des gemeinsamen "Wir und Corona"-Podcats des stern und RTL. Unser Gast: Sportpsychologe Oliver Stoll. Der ist nicht nur Professor in Halle, hat dort den ersten Masterstudiengang für Sportpsychologe in Deutschland aufgebaut, sondern berät seit vielen Jahren auch Spitzensportler. Außerdem ist er ein leidenschaftlicher Läufer, der sich einer besonderen Form des Rennens verschrieben hat: Dem "Streakrunning" – einzige Regel: Jeden Tag einmal los!

Wie gehen wir fitter aus der Corona-Krise heraus?

Außerdem – und das macht ihn zum besonderen Experten – hat Stoll mit Kollegen ab Beginn der Krise eine Studie durchgeführt, in der mehr als 20.000 Probanden gefragt wurden: Wie hältst du’s mit dem Sport während der Krise? Stoll hat also klare Anhaltspunkte dafür, was in der Krise mit der Fitness der Deutschen passiert. Sein Zwischenfazit ist ermutigend: Zwar haben demnach gar nicht so viele Leute neu angefangen, Sport zu treiben. Aber diejenigen, die schon vorher sportlich aktiv waren, waren jetzt noch viel aktiver.

"Wir sind fitter aus der Krise, aus dem Lockdown, herausgekommen, als wir es vorher waren", sagt Stoll. In dem Gespräch erläutert Stoll auch, wie es Spitzensportlern, die sich etwa auf Olympische Spiele vorbereitet hatten, in den vergangenen Monaten ergangen ist, aber auch, welche Probleme Freizeitsportler nun haben, sich zu motivieren, nachdem für dieses Jahr viele Wettkämpfe abgesagt worden sind. Und Stoll erklärt, was Normalos gerade in der Krise von Sportlern lernen können.

"Spitzensportler sind den Umgang mit Misserfolg eher gewohnt als wir. Und über diese langen Jahre des Trainings und der Wettkampfarbeit, die die so haben, entwickeln sie so etwas wie Resilienz. Resilienz ist die Fähigkeit, sich nach einem Misserfolg den Mund abzuwischen, zu analysieren: Warum hat’s nicht geklappt, sich die Krone zu richten und weiterzumachen. Das können wir von ihnen lernen". Stoll spricht auch darüber, mit welchem Sport diejenigen jetzt am besten anfangen können, die ein paar Lockdown-Pfunde loswerden wollen. Das gesamte Gespräch hören Sie hier im Podcast.

Wissenscommunity