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Nackt-Partys: Ausziehen statt büffeln

Splitterfasernackt mit Kommilitonen tanzen, trinken und quatschen: Nackt-Partys sind der neueste Trend an amerikanischen Eliteuniversitäten. Auch die Tochter des mächtigsten Mannes der Welt soll sich auf einer solchen Veranstaltung schon vergnügt haben.

Von Malte Arnsperger

Sie sind hübsch, berühmt, jung und für ihr ausschweifendes Partyleben bekannt: Jenna und Barbara Bush, die beiden Töchter des US-Präsidenten George W. Bush. Mit 19 Jahren wurden sie sogar - böse, böse! - mit Alkohol erwischt. Im strengen Texas - wo der Papa früher als Gouverneur wirkte - sorgte dies für große Aufregung, denn das Mindestalter für Alkoholgenuss liegt bei 21 Jahren. Die beiden Präsidententöchter mussten zur Strafe Sozialdienst leisten und einen Kurs über Alkoholprobleme besuchen.

Barbara bei Nackt-Party?

Doch Barbara, mittlerweile Studentin an der Eliteuniversität Yale in Connecticut, ließ sich von dieser Züchtigung offenbar nicht davon abhalten, ihr junges Leben zu genießen. Die Yale-Studentenverbindung "The Pundits" (Die Experten) schwört jedenfalls Stein und Bein, dass die Präsidententochter 2002 an einer ihrer Nackt-Partys teilgenommen habe. Das Weiße Haus hat diese Gerüchte natürlich immer dementiert, aber der Beliebtheit von Nackt-Partys hat die Geschichte wohl nicht geschadet - im Gegenteil.

Ausgerechnet an den amerikanischen Eliteschmieden wie Yale, der Columbia-Universität in New York oder dem Massachusetts Institute of Technology scheint die Teilnahme an Nackt-Partys ein absolutes Muss geworden zu sein. Zumindest einmal während des Studentenlebens sollten die künftigen Top-Manager, Star-Anwälte oder Spitzen-Politiker sich bei diesen Events zeigen. "Es ist sehr hip geworden, dort hin zu gehen", zitiert die "New York Times" einen Yale-Studenten. Eine Kommilitonin meint sogar: "Es ist einer der Dinge, von denen die Leute denken, dass sie sie vor ihrem Abschluss machen müssen."

Schal oder Hut bleiben an

Die Partygänger treffen sich in Studentenwohnheimen oder manchmal sogar in unbenutzten Hörsälen und kleinen Büchereien ihrer Alma Mater. Die Fenster der Partyräume werden verhängt und dann heißt es ausziehen. Manch ein Nudist lässt Schal, Hut oder Gürtel an. Laut "New York Times" hat ein Diabetiker für eine Party alles bis auf seinen Insulinbeutel abgelegt, den er während des gesamten Abends mit sich herumtrug.

Offizielle Universitätsveranstaltungen sind diese Partys natürlich nicht, aber die sonst so strenge Campuspolizei tut zumindest nichts, um sie zu unterbinden. An der Wellesley Universität in Massachusetts ist der Schulleitung nicht nur bekannt, dass jeden Frühling eine solche Party steigt, sie stellt sogar den Polizeischutz vor dem Eingang. An der Wesleyan-Universität in Connecticut werden die Nackt-Partys sogar bei der offiziellen Campus-Tour erwähnt.

Ein wichtiger Grund für diese Toleranz ist wahrscheinlich, dass die Nackt- keine Sex-Partys sind. Im Gegenteil, denn Berührungen sind - außer einer kurzen Begrüßung - nicht gerne gesehen. "Berühren ist ein völliges Nein-Nein", sagt Lauren Pellegrino, eine Studentin der Wesleyan Universität, die selber eine Nackt-Party in ihrem Apartment organisiert hat. "Die Leute sehen sich mehr in die Augen, als irgendwo anders. Es ist kein Ort, um Leute anzumachen." Ein Pärchen, das während einer Party zu späterer Stunde angefangen hat, sich nicht mehr auf den puren Augenkontakt zu beschränken, wurde sofort rausgeworfen.

Trotzdem bleibt ein Blick auf die Körper der Mitfeiernden natürlich nicht aus. Katherine Worteck, Studentin an der Browne-Universität in Rhode Island, gibt zu, dass sich durch die Nackt-Party ihr Ideal eines attraktiven Körpers verändert hat: "Wir sind an die nackten Körper gewöhnt, die wir auf Filmleinwänden sehen, aber nicht an die natürlichen, typischen Körper. Ich habe herausgefunden, dass Leute, die angezogen als dick bezeichnet werden, nackt besser aussehen. Es war ein netter Realitätscheck."

Anspruchsvolle Gespräche

Die völlige Nacktheit hat offenbar auch Auswirkungen auf die Gesprächsinhalte. Megan Crandell, eine erfahrene Nackt-Party-Gängerin, meint: "Man kann nicht darüber sprechen, wie gut jemand in der letzten Nacht ausgesehen hat. Die Leute achten so sehr darauf, wie sie herüberkommen, dass die Konversationen sehr anspruchsvoll werden."

Aber die prüden USA wären nicht die prüden USA, wenn diese, ach so verurteilenswerten universitären Auswüchse, nicht auf den heftigen Protest einer religiösen Gruppe stoßen würde. So echauffiert sich die christliche Zeitschrift "Christianity Today" über die Nackt-Partys. "Man möchte weinen um diese Kinder, insbesondere um die Mädchen, die es verdienen, vor diesem Karneval der Schielerei und Belästigung beschützt zu werden."

Patriotische Nackt-Partys

Die meisten Studenten lassen diese Moralpredigten kalt. Ihnen scheint vielmehr eine "normale" Nackt-Partys nicht mehr zu reichen. Deshalb stellen die "Pundits" aus Yale ihre Partys unter ein Motto. So gibt es Nackt-Sushi-Partys, Nackt-Cocktails-Partys und sogar "God bless America"-Partys. Die Studenten tragen dabei patriotische Körperbemalung und legen sich das Sternenbanner über die Schultern. Obwohl ihm dieses Motto und der offen zu Schau gestellte Patriotismus gut gefallen könnte, würde Präsident Bush solche Veranstaltungen wahrscheinlich trotzdem nicht gutheißen.

Übrigens: Auf einer Studenten-Homepage kommentierte ein Nutzer die angebliche Teilnahme von Barbara Bush an einer Nackt-Party folgendermaßen: "Unbekannt ist, wie ihr Schutz durch den Secret Service während der Party war, und was und ob sie (die Personenschützer, Anm. der Red.) etwas anhatten. Was für ein Alptraum-Job."