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Narren-Wetter im Rheinland: Sonnenschein auch für den "kleinsten Karnevalsumzug der Welt"

Die Sonne lacht mit den Narren im Rheinland: An Weiberfastnacht dürfen sich die mächtigen Frauen über tolles Wetter freuen, wenn sie vielerorts die Rathäuser erobern. Gleichzeitig findet ein letztes Mal der "kleinste Karnevalsumzug der Welt" in Unna statt.

Die Narren haben sich am Donnerstag bei strahlendem Sonnenschein in den Straßenkarneval gestürzt. Kein Wölkchen trübte den Himmel über dem Rheinland. In vielen Städten stürmen die Frauen an Weiberfastnacht die Rathäuser und übernehmen symbolisch die Macht. So nehmen in Düsseldorf die alten "Möhnen" den Bürgermeister gefangen. In Bonn greifen die Waschweiber an. Und in Köln fordert das Dreigestirn die Stadtschlüssel ein.

Dort hatten sich schon am frühen Vormittag tausende Narren in der Altstadt versammelt. Um das Verletzungsrisiko zu senken, gilt in Köln ein Glasverbot. Kostümtrends in diesem Jahr sind Glitzer-Disco-Queen und Flower Power. In Köln gingen aber auch viele als Lebensmittel, zum Beispiel als Chipstüte, Pommes frites oder Maggiflasche.

Eine der skurrilsten Karnevalstraditionen Deutschlands ist am Donnerstag wohl zu Ende gegangen: Der "kleinste Karnevalsumzug der Welt" des 76-jährigen Helmut Scherer im westfälischen Unna. Bereits zum 55. Mal zog der überzeugte Narr in der ansonsten eher karnevalsfreien Stadt an Weiberfastnacht durch die Innenstadt. In den Anfangsjahren war Scherer belächelt und verspottet worden, wenn er verkleidet mit einem selbst geschmückten Bollerwagen allein durch die Straßen zog.

Seit vielen Jahren hat der Umzug jedoch Kultcharakter, so dass Scherer schon längst nicht mehr als Solist unterwegs ist. In diesem Jahr wurde er von mehr als 100 Kindern begleitet. Auch viele von ihm ernannte "Ordensritter" gingen in dem Tross mit. Und Scherer zog seinen Wagen auch nicht mehr selbst. Als "Alterspräsident" nahm er auf einem Thron Platz. Zuschauer und Zugteilnehmer äußerten großes Bedauern über das Ende der inzwischen liebgewonnenen Tradition. "Er hat den Spaß, den Karneval nach Unna gebracht", sagte Alexander Brockmeyer vom "Freundeskreis Helmut Scherer".

Sein Zug stand in diesem Jahr unter dem Motto "Ich geh' jetzt ins Altersglück - Unna bleibt allein zurück." Am Ende des Umzuges sollte wie jedes Jahr der Einzug ins Rathaus um 11.11 Uhr stehen. Diesmal hat er eine Marktfrau und einen katholischen Priester als Ordensritter auserkoren, die im Rathaus ihre Insignien erhalten. Im kommenden Jahr will Scherer keinen Umzug mehr organisieren. "Eine Kopie von mir gibt es nicht", hatte er im Vorfeld gesagt. Die Ernennung von Ordensrittern will er aber fortsetzen.

vim/DPA / DPA