Neapel In Bella Italia brennt der Müll


Der Müllberg von Neapel stinkt die Italiener weiter an: Einige Bürger protestieren gegen die Wiedereröffnung einer Mülldeponie in Neapels Stadtteil Pianura, indem sie Müllberge anzünden. Die Feuerwehr musste über 80 Mal ausrücken, um die Brände zu löschen.

Trotz eines Maßnahmenpakets der italienischen Regierung gegen den Müllnotstand in Neapel kommt der Kampf gegen die sich türmenden Abfallberge kaum voran. Während sich norditalienische Regionen überwiegend weigern, bei der Bewältigung der Entsorgungskrise mitzuhelfen, halten die teilweise gewalttätigen Proteste gegen die Wiedereröffnung einer Mülldeponie in Neapels Stadtteil Pianura an. Bei mehr als 80 Einsätzen mussten Feuerwehren in der Nacht zum Donnerstag in Brand gesteckte Müllberge löschen. In einer Krisensitzung wollte Innenminister Giuliano Amato klären, wie die öffentliche Ordnung wiederherzustellen sei. Am Mittwoch waren sieben Feuerwehrleute durch einen Brandanschlag verletzt worden.

Mit Hilfe der Armee sowie mit neuen Verbrennungsanlagen und einem Sonderkommissar will die Regierung in Rom die Berge mit inzwischen mehr als 110.000 Tonnen Abfall in den Straßen der süditalienischen Region Kampanien abbauen. Ein erstes Schiff mit 1500 Tonnen Müll aus Neapel wurde am Donnerstag in Olbia auf Sardinien erwartet. Während sich im Norden Italiens Widerstand dagegen regt, das Müllproblem zu verlagern, haben andere Regionen des Landes mehr Zeit für Lösungen und Hilfe verlangt. Seit Weihnachten wächst das in Neapel seit mehr als einem Jahrzehnt bestehendes Problem mit dem Müll wieder stark an, da bestehende Mülldeponien voll sind und Verwertungsanlagen fehlen.

Italiener trennen zu wenig Müll

Die Ko-Vorsitzende der Grünen im EU-Parlament, Monica Frassoni, hat die Italiener angesichts der Krise zum Umdenken aufgefordert. Die Italiener würden einfach zu wenig Müll trennen und zu viel wegwerfen, sagte die Grünen-Politikerin. "Wir müssen den Leuten klar machen, dass sie weniger Müll produzieren sollen. Das haben sie noch nicht verstanden", sagte Frassoni. Deshalb sei auch der von Ministerpräsident Romano Prodi angeordnete Neubau von Müllverbrennungsanlagen keine Lösung des Problems. "Wir sind sehr besorgt, dass wir in drei, vier Monaten bis einem Jahr wieder dieselbe Situation haben werden wie jetzt."


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