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Neapels Müllproblem: Proteste eskalieren, Schulen werden geschlossen

2008 hatte Ministerpräsident Berlusconi das Müllproblem in Neapel teilweise in den Griff bekommen. Nun wird die Lage langsam wieder dramatisch. Abfallberge türmen sich, es gibt gewaltsame Proteste.

Die Proteste gegen eine neue Mülldeponie in Terzigno nahe der süditalienischen Stadt Neapel sind am Donnerstag eskaliert. Nach nächtlichen Ausschreitungen vermummter Demonstranten in Terzigno kam es auch tagsüber in der nahegelegenen Kleinstadt Boscoreale zu Krawallen, bei denen laut Polizeiangaben 20 Polizisten verletzt wurden. Die Regierung in Rom berief für Freitag eine Krisensitzung ein.

Im 25 Kilometer südlich von Neapel gelegenen Boscoreale setzten Demonstranten laut Medienberichten fünf Müllabfuhrwagen in Brand. Insgesamt wurden 16 Fahrzeuge beschädigt, darunter acht Polizeiwagen, wie ein Polizeisprecher in Neapel mitteilte. Demnach wurden auch Scheiben von Geschäften zerschlagen, Demonstranten warfen zudem Flaschen und Rauchgeschosse auf die bewaffneten Polizisten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die aufgebrachte Menge auseinanderzutreiben.

Der Bürgermeister von Boscoreale, Gennaro Langella, von der italienischen Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL) gab daraufhin aus Protest gegen den geplanten Bau der Deponie seinen Rücktritt bekannt. "Ich kann so eine gefährliche und ernste Entscheidung nicht mittragen", sagte er. "Es handelt sich um ein sehr ernstes Problem nicht nur für die öffentliche Gesundheit, sondern auch für die öffentliche Ordnung." Er sei sehr beunruhigt über die Ereignisse in der Region. Wie die Nachrichtenagentur ANSA meldete, verfügte er aus Sicherheitsgründen die Schließung aller Schulen für zwei Tage.

Das Müllproblem sollte auch bei einer Krisensitzung der Regierung in Rom am Freitag behandelt werden. Das sagte der Bürgermeister von Terzigno, Domenico Auricchio, der war am Donnerstag in die italienische Hauptstadt gereist war, um Regierungschef Silvio Berlusconi um Hilfe zu bitten. Berlusconi hatte nach seinem Wahlsieg 2008 die Beseitigung des Müllproblems zur Chefsache erklärt und angekündigt, neue Verbrennungsanlagen notfalls durch die Armee verteidigen zu lassen.

Seit Wochen demonstrieren die Bewohner von Terzigno 20 Kilometer südöstlich von Neapel gegen den Bau einer neuen Mülldeponie und das Müllchaos in der Region. Diese Proteste eskalierten in der Nacht zum Donnerstag, als eine Gruppe Maskierter die Sicherheitskräfte mit Steinen und Knallkörpern bewarf. Die Polizei versuchte, die Menge zunächst abzudrängen und setzte dann Tränengas ein, wie ANSA berichtete. Die Organisatoren des Protestes hätten die gewalttätigen Demonstranten vergeblich zur Ruhe aufgerufen.

Am Freitag wollten Bewohner mehrerer Vororte von Neapel in Rom gegen das Müllchaos und den Bau der Deponie demonstrieren, die mit einer Kapazität von drei Millionen Tonnen die größte Anlage in Europa werden soll.

AFP/DPA / DPA