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Neue Studie: Mehr Analphabeten in Deutschland als gedacht

Rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können keine einfachen Texte lesen und schreiben. Damit zählen mehr als 14 Prozent der Erwerbsfähigen zu den sogenannten funktionalen Analphabeten, wie aus einer von der Universität Hamburg am Montag in Berlin vorgestellten Studie hervorgeht.

In Deutschland gibt es mit 7,5 Millionen Menschen fast doppelt so viele Analphabeten wie bisher gedacht. Sie können keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben. Davon scheitern 2 Millionen auch an einzelnen Sätzen und 300 000 Menschen an einzelnen Wörtern, wie aus einer am Montag in Berlin präsentierten Studie hervorgeht.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigte sich alarmiert: "Es gibt Analphabetismus in Deutschland in einer Größenordnung, die nicht mehr eine Nische darstellt." Helfen soll nun ein gemeinsam mit Ländern, Unternehmen, Gewerkschaften und Volkshochschulen geschürtes Bildungspaket.

"Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung", sagte Schavan. Die Hamburger Professorin Anke Grotlüschen hatte für die Studie mehr als 8000 Erwachsene befragt. 57 Prozent der Betroffenen seien erwerbstätig - deshalb müssten auch die Unternehmen sensibilisiert werden, sagte Schavan.

Bisher gingen Schätzungen von etwa vier Millionen Menschen aus, die von funktionalem Analphabetismus betroffen sind, also noch mit einzelnen Sätzen umgehen können. Schavan kündigte verstärktes Bemühen auch um den Erhalt von bereits Gelerntem an: "Wie verhindern wir, dass Techniken und Kenntnisse, die bereits erworben wurden, wieder verloren gehen?"

60 Prozent der funktionalen Analphabeten sind Männer, 40 Prozent Frauen. Menschen mit höherer Bildung stellen 12 Prozent der funktionalen Analphabeten. Für ein nun startendes Programm zur Alphabetisierung und Bildung am Arbeitsplatz will das Schavan-Ressort 20 Millionen Euro bis 2014 zur Verfügung stellen.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der niedersächsische Ressortchef Bernd Althusmann (CDU), nannte Analphabetismus einen noch zu wenig beachteten Bereich. "Die Lese- und Schreibkompetenz gilt es weiter auszubauen." Die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbands, Rita Süssmuth, versprach: "Hierbei werden auch die Volkshochschulen helfen."

Die Autorin der Studie hob hervor, dass nun zum ersten Mal umfassende Zahlen über den Analphabetismus in Deutschland vorlägen.

AFP/DPA / DPA