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Neuer Fachbereich "Islamische Studien" Bald bildet auch Deutschland Imame aus


An mehreren Hochschulstandorten in Deutschland wird 2011 der Fachbereich "Islamische Studien" eingeführt. Bildungsministerin Annette Schavan stellte das Konzept zur Imam-Ausbildung nun vor und pries es als wertvollen Beitrag zur Integration. Große islamische Verbände dagegen lehnen das Vorhaben entschieden ab.

Deutschland startet im kommenden Jahr eine fundierte Hochschulausbildung islamischer Theologen. Ab dem Wintersemester 2011/12 soll in Tübingen, Münster und Osnabrück ein neuer Fachbereich "Islamische Studien" die Ausbildung von islamischen Religionslehrern für die Schulen sowie von Imamen mit theologischer Forschung verbinden, wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Donnerstag in Berlin ankündigte. Die CDU-Politikerin warb für den Schritt auch als Beitrag zur Integration und zur "Weiterentwicklung des Islam als Religion".

Große muslimische Verbände wie die Türkisch-Islamische Union (DITIB) lehnen das Vorhaben entschieden ab. Anders als bei den Theologen der christlichen Kirchen existieren für Imame in Deutschland bisher keine anerkannten Ausbildungswege. Seit kurzem gibt es lediglich erste Angebote zur Ausbildung islamischer Religionspädagogen für Schulen.

"Selbstreflexion, Selbstkritik, Klärung und Aufklärung"

Eine islamische Theologie in Deutschland könne zur "Selbstreflexion, Selbstkritik, Klärung und Aufklärung" der Religion beitragen und sei ein "guter Beitrag zur Ausbildung von europäisch-muslimischer Gelehrsamkeit", sagte Schavan. Angesichts der derzeit hitzig geführten Integrationsdebatte sei es dringend notwendig, zwischen dem Islam als Religion und dem politischen Islamismus zu unterscheiden. Zugleich sei es wichtig, dass sich die islamische Religion weiterentwickeln könne. Deutschland habe durch die lange Tradition mit den christlichen Theologien "die geeigneten Erfahrungen, um ein solches Kapitel zu schreiben".

In Tübingen soll der neue Studiengang eigenständig, in Münster und Osnabrück in einer Kooperation der Hochschulen angeboten werden. Der Bund finanziert dabei für die nächsten fünf Jahre mit jeweils mindestens vier Millionen Euro Forschungsprofessuren, Mitarbeiterstellen und Nachwuchsgruppen. Die Standorte wurden von einer Jury des deutschen Wissenschaftsrates ausgewählt.

400 Studenten können studieren

Bei einer zweiten Auswahlrunde im März sollen laut Schavan zwei weitere Hochschulen als Islamstudien-Standorte ausgewählt werden. Zum nächsten Wintersemester könnten dann insgesamt rund 400 Studenten das neue Fach studieren. Die Universität Erlangen, die sich ebenfalls beworben hatte, wurde gebeten, ihr Konzept nachzubessern und im März erneut vorzulegen. Der Antrag Hessens für den Standort Marburg/Gießen konnte die Jury dagegen nach den Worten Schavans "nicht überzeugen".

Umstritten bleibt die Rolle der muslimischen Beiräte, die jeden der neuen Islamstudiengänge begleiten sollen. Nach der Vorstellung des Wissenschaftsrates sollen die Universitäten die akademischen Standards garantieren und die Bewerber für Forschung und Lehre auswählen. Ein muslimischer Beirat soll dann klären, ob es aus religiösen Gründen Einwände gegen die Kandidaten gibt.

be/DAPD dapd

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