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Neuer Personalausweis: Ämtern droht Chaos

Enormer Andrang auf die Einwohnermeldeämter: Viele Bürger beantragten in letzter Sekunde noch den alten Personalausweis. Zu teuer, zu unsicher sei der neue befürchteten sie. Ab Montag wird es nun den neuen Ausweis im Chipkartenformat geben, die meisten Ämter rechnen mit einem erneuten Ansturm.

Von Martin Motzkau

Lange Menschenschlangen und mehrstündige Wartezeit - das war für viele Einwohnermeldeämter in der vergangenen Woche bittere Realität. Die Behörden waren mit der riesigen Nachfrage nach dem alten Personalausweis restlos überfordert. In der letzten Oktoberwoche war die Zahl der Ausweisanträge bis zu vier Mal so hoch wie normalerweise. Um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, stoppten einige Ämter deutlich vor ihrer Schließung die Ausgabe der Wartenummern. Doch auch das half nicht: In vielen Ämtern mussten Überstunden gemacht werden, damit die Wartenden noch dran kommen konnten.

Seit Freitag ist der alte Personalausweis Geschichte. Im Bürgeramt in Berlin Spandau glaubt man nicht, dass sich noch mal solche Szenen abspielen. "Die letzte Oktoberwoche kann nicht mehr übertroffen werden. Ich glaube nicht, dass es im November zu so einer Welle kommen wird," sagte ein Mitarbeiter des Amtes. Kollegen aus anderen Ämtern sehen das anders: Sie erwarten einen erneuten Andrang in den nächsten Wochen. "Wir rechnen auf jeden Fall damit", sagt Thorsten Schulz, zuständig für den Bürgerservice in Hamburg-Mitte," Es gibt einige, die unheimlich gerne als erstes den neuen Personalausweis haben wollen." Das sieht auch Ulrich Höver, Leiter des Bürgeramtes Köln-Innenstadt, so: "Die Nachfrage nach einem neuen Personalausweis ist groß. Es gab sogar Bürger, die enttäuscht waren, weil sie dachten, es gäbe den neuen Personalausweis bereits."

Deutlich längere Bearbeitungsdauer

Sollten am Montag tatsächlich wieder viele Bürger vor den Ämtern Schlange stehen, ist das Chaos nicht mehr aufzuhalten. Vor allem die längere Bearbeitungsdauer des Antrags dürfte Sorgen bereiten. Da der Ausweis künftig über wesentlich mehr Funktionen verfügen wird, müssen die Bürger gründlich informiert werden. So kann der Besitzer beispielsweise eine PIN eingeben, um sich im Internet sicherer ausweisen zu können. Zudem ist es möglich, seinen Fingerabdruck als Identifizierungsmerkmal auf dem Daten-Chip zu speichern. "Bisher dauerte die Antragsstellung rund zehn bis zwölf Minuten, zu Beginn der neuen Ära gehen wir von einer Bearbeitungszeit von 20 bis über 25 Minuten aus," sagt Schulz.

Um einer vergleichbaren Nachfrage wie in der vergangenen Woche standhalten zu können, sind die Meldeämter auf gut vorbereitete Angestellte angewiesen, die mit der neuen Technik umgehen und Fragen beantworten können. "Unsere Mitarbeiter wurden in Schulungen intensiv auf das neue Verfahren vorbereitet," sagt Höver aus Köln. Auch bei den zuständigen Behörden in anderen Großstädten gab es ähnliche Vorbereitungsmaßnahmen.

Zu wenig Mitarbeiter an den Ämtern

Ein gut geschultes Personal alleine reicht jedoch nicht aus. Viele Meldeämter verfügen nicht über genügend Mitarbeiter. Ein einzelner Angestellter kann pro Tag lediglich ungefähr 24 Anträge bearbeiten, das reicht für viele Standorte mit geringem Personal meist nicht aus. In den Kleinstädten dürften die Ämter hingegen eher deswegen Probleme bekommen, weil sie oftmals noch nicht über die technischen Geräte verfügen.

In Frankfurt hat man sich daher frühzeitig vorbereitet. "Wir haben fünf zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und unsere Zentrale umgebaut," sagt Rainer Orell, Leiter des Bürgeramtes. Hier hatten alleine am vergangenen Donnerstag 900 Bürger einen alten Personalausweis beantragt. Um einem ähnlichen Szenario in der kommenden Woche vorzubeugen, bat das Amt in einer Pressemitteilung darum, in den nächsten Tagen nur einen neuen Ausweis zu beantragen, wenn der alte bereits abgelaufen ist oder in den kommenden vier Wochen ausläuft.

Es dürfte ein turbulentes Wochenende für die Einwohnermeldeämter werden: Letzte Tests werden gemacht, die Software auf den neusten Stand gebracht und die Einwohnerdaten gesichert. Zudem müssen auch noch die Lohnsteuerdaten an die Bundeszentrale für Steuern gesandt werden. Trotz der Strapazen sind die Behörden zuversichtlich und fühlen sich für die neuen Aufgaben gewappnet: "Wir sind gut vorbereitet," sagt Schulz aus Hamburg.

In fünf Bundesländern haben die Behörden sogar einen Tag länger Zeit, sich vorzubereiten: Am Montag ist Allerheiligen, dort ein gesetzlicher Feiertag. "Wir werden aber sehr genau beobachten, wie es in den anderen Bundesländern am Montag läuft," sagt der Kölner Höver.