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Neuer Präfekt der Glaubenskongregation Erzbischof Müller mahnt reformorientierte Priester zum Gehorsam


Mit ihm wird die katholische Kirche wohl nicht reformfreudiger: Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat eine eindringliche Mahnung an katholische Prieser gerichtet, die die Kommunion auch an wiederverheiratete Geschiedene verteilen wollen.

Der neue Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat reformorientierte Priester scharf kritisiert und zum Gehorsam gegenüber der Kirche ermahnt. Die Menschen könnten sich nicht ihre Kirche schaffen "nach eigenem Geschmack und jeweiligem" Zeitgeist, sagte Müller im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" am Samstag. In der Erzdiözese Freiburg fordern zahlreiche Priester und Diakone, dass wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche nicht länger von der Kommunion ausgeschlossen werden, wie dies das Kirchenrecht vorsieht.

Aufgabe der Glaubenskongregation sei es, den Glauben zu verteidigen gegen falsche Auslegungen und Verkürzungen. Wiederverheiratete Geschiedene betreffend sagte der frühere Regensburger Bischof: "Lehrmäßig kann es keine Zweifel geben an der Unauflöslichkeit einer gültig geschlossenen sakramentalen Ehe und am objektiven Widerspruch zwischen dem Eingehen einer zivilen Zweitehe und dem Kommunionempfang." Abstriche könnten da nicht gemacht werden. Katholischsein zu "ermäßigten Preisen" sei nicht möglich.

Allerdings sehe es Müller auch nicht als seine Hauptaufgabe an, "Bischöfe und Theologen zu kontrollieren", sondern "vom Positiven des Glaubens" zu reden, so der 64-Jährige. Auch brauche die katholische Kirche durchaus "unterschiedliche Denkrichtungen". Eine solche Freiheit dürfe aber nicht missverstanden werden als die Erlaubnis, "tun zu können was man will". In der Frage der Zulassung von Geschiedenen zur Kommunion könne sich Müller aber Einzelfalllösungen vorstellen.

Warnung auch an Piusbrüder

Bei den stockenden Verhandlungen des Vatikans mit den erzkatholischen Piusbrüdern verlangte Müller ein Entgegenkommen der Bruderschaft. Auf auf die Frage, ob das Tischtuch mit den Piusbrüdern endgültig zerschnitten sei, sagte Müller: "Wir müssen abwarten, welche offizielle Erklärung von der Bruderschaft kommt. Unsere Haltung ist eindeutig". Sollten die Piusbrüder zur Kirche zurückkehren wollen, müssten sie akzeptieren, "dass das Zweite Vatikanische Konzil verbindlich ist".

Die Piusbruderschaft ist insbesondere wegen der Holocaust-Leugnung des Piusbischofs Richard Williamson umstritten. Seit Jahren verhandelt der Vatikan mit den Piusbrüdern, die sich gegen eine Modernisierung der Kirche stellen, über eine Rückkehr in die katholische Weltkirche.

Papst Benedikt XVI. hatte Müller am 2. Juli zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt, eines der höchsten Ämter im Vatikan. Er löste damit den US-Kardinal William Levada ab, der aus Altersgründen zurückgetreten war. Bis zu seiner Wahl zum Papst stand Joseph Ratzinger selbst von 1981 bis 2005 an der Spitze der Glaubenskongregation. Müller wird in Deutschland dem konservativen Flügel der Bischofskonferenz zugerechnet. Auf Kritik stieß der bisherige Bischof von Regensburg unter anderem, als er 2005 die Mitwirkungsrechte der Laien in den Kirchengemeinden seines Bistums drastisch einschränkte. Es wird erwartet, dass der Papst den 64-Jährigen demnächst auch zum Kardinal ernennen wird.

jwi/AFP/DPA DPA

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