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Neues Kirchenoberhaupt der Kopten: Per Losglück zum Papst

Die Kopten haben in Ägypten einen neuen Papst gewählt. Das künftige Kirchenoberhaupt Tawadros II. tritt sein Amt in einer schweren Zeit an. Die Christen fühlen sich von den Muslimen zunehmend bedroht.

Was für ein Geburtstagsgeschenk! Ausgerechnet an seinem 60. Ehrentag wurde Bischof Tawadros zum neuen Papst der Kopten ernannt. Ein Junge mit verbundenen Augen zog Tawadros' Name am Sonntag während eines Gottesdiensts in Ägyptens Hauptstadt Kairo aus einem gläsernen Kelch, der mit rotem Wachs versiegelt und mit weißen Bändern zugebunden war. Auch die Namen des Kairoer Bischofs Raphael und des Mönchs Raphael Awa Mina waren in dem Gefäß enthalten. Eine Versammlung von mehr als 2000 Geistlichen und Laien hatte die drei Kandidaten vor einer Woche in die engere Auswahl für das Amt des 118. Patriarchen genommen.

Tawadros, bisher Weihbischof im Nildelta, soll am 18. November als Tawadros II. feierlich sein neues Amt antreten. Er folgt dem im März gestorbenen Papst Schenuda III. nach, der vier Jahrzehnte an der Spitze der koptischen Kirche stand. Der als aufgeschlossen geltende Akademiker tritt sein Amt zu einer schwierigen Zeit an. In Ägypten, wo der Großteil der rund zehn Millionen Kopten lebt, ist die islamistische Muslimbruderschaft an der Macht. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen auf die christliche Minderheit.

Gratulation auch von den Muslimbrüdern

Tawadros wurde am 4. November 1952 unter dem bürgerlichen Namen Sobhi Bakki Soleiman in der Region Mansura im Nildelta geboren. Vor seinem Eintritt ins Priesterseminar studierte er in Alexandria Pharmazie. Im Jahr 1988 wurde Tawadros in ein Wüstenkloster in der Region Wadi Natrun nördlich von Kairo aufgenommen und ein Jahrzehnt später zum Bischof geweiht.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte dem neuen Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche. Er rief den künftigen Papst auf, den Weg der nationalen Versöhnung fortzusetzen. Es gelte, entschlossen am Aufbau der Zivilgesellschaft mitzuwirken. Dabei sei klarzustellen, dass Ägypten Religionsfreiheit brauche und den Dialog zwischen den Religionen, der dem Frieden in der Gesellschaft diene. Das koptische Christentum sei konstitutiver Bestandteil der Gesellschaft Ägyptens.

Auch Ägyptens Präsident Mohammed Mursi gratulierte Bischof Tawadros. In einem Telegramm, das auf der Facebook-Seite des Staatsoberhauptes veröffentlicht wurde, wünschte der Islamist dem Geistlichen für die kommenden Aufgaben viel Erfolg. Mursi betonte, dass Muslime und Kopten in Ägypten zusammengehörten, ein Volk seien.

Schweres Erbe

Tawadros' Vorgänger, Schenuda III., hatte im Alter von 88 Jahren einen Herzinfarkt erlitten und wurde gemäß seinem Wunsch in einem Kloster nördlich von Kairo beigesetzt. Schenuda III. hatte bei Christen wie Muslimen großen Respekt genossen. Er führte die Kopten über eine Generation, die einen erstarkenden Islamismus in Ägypten erlebte.

Unter Präsident Anwar al-Sadat wurde Schenuda III. im Jahr 1981 wegen seiner Kritik an dessen Annäherung an die Islamisten und an einem Friedensschluss mit Israel unter Hausarrest gestellt. In religiösen Fragen vertrat er eine streng konservative Linie. Wiederholt schloss er Geistliche, die seine Haltung nicht teilten, aus der Kirche aus.

jwi/DPA/AFP / DPA
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