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Neukölln: Leibwächter für den Weg zur Turnhalle

Dunkle Uniformen, ernste Gesichter, um sie herum trotten Kinder Richtung Unterricht: Im Berliner Problemstadtteil Neukölln werden 13 Schulen von Sicherheitsleuten bewacht. Die Verantwortlichen erhoffen sich von dieser Deutschland-Premiere, dass die alltägliche Gewalt eingedämmt wird.

Erstmals in Deutschland haben sich private Wachleute vor Schulen postiert. Die Mitarbeiter der Firma Germania kontrollieren ab sofort im Berliner Bezirk Neukölln im Auftrag des Bezirksamts, wer die Gebäude betritt. Die Ordnungskräfte sollen insbesondere schulfremden Jugendlichen den Zutritt verbieten, um Störungen und Gewalttaten zu verhindern. Geschützt werden zunächst 13 Schulen an zehn Standorten, darunter Gymnasien, Grundschulen sowie Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

Der Leiter des Gymnasiums Leonardo-da-Vinci-Schule, Michael Frank, sagte der Nachrichtenagentur AP an seiner Schule seien zwei der unbewaffneten Wachschützer künftig hauptsächlich dafür zuständig, die Klassen zur etwa 800 Meter entfernten Turnhalle zu eskortieren. Auf dem Weg dorthin seien zuletzt immer wieder Schüler verprügelt, beraubt, bedroht und gedemütigt worden. "Wir hoffen, dass dies nun ein Ende hat", sagte er.

Der Geschäftsführer der Wachschutzfirma, Klaus Hübner, räumte ein, dass seine Leute keine genauen und umfassenden Eingangskontrollen vornehmen können. Im RBB-Inforadio sagte er, Schülerausweise könnten nur in Einzelfällen geprüft werden. Und Taschenkontrollen würden im Wege des Hausrechts nur vorgenommen, wenn es offensichtliche Gründe dafür gebe: "Zum Beispiel wenn einmal ein Messer zu sehen ist."

Erst vor wenigen Tagen hatte die Berliner Polizei Kooperationsverträge mit 29 Neuköllner Schulen geschlossen. Die Kontrakte umfassen Angebote und Unterstützung bei der Gewaltprävention und im Gegenzug Angebote der Schulen zur Zusammenarbeit mit der Polizei in den Bereichen Kultur, Betreuung von Veranstaltungen. Verträge mit 23 weiteren Neuköllner Schulen sind in Vorbereitung. Der Bezirksstadtrat Wolfgang Schimmang hatte dies als "Baustein für ein friedliches und gewaltfreies Schulleben" gelobt.

AP / AP