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New York: Papst redet UN ins Gewissen

Es war der Höhepunkt seiner USA-Reise und eine historische Rede: Vor der UN-Vollversammlung in New York mahnte Papst Benedikt XVI. eine Stärkung der Menschenrechte an. Sie seien der Schlüssel zur Lösung der Weltprobleme.

Papst Benedikt XVI. sieht in der Achtung der Menschenrechte den Schlüssel zur Lösung der meisten Probleme auf der Welt. Dabei sei der Einsatz der Vereinten Nationen unverzichtbar, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer historischen Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Benedikt warnte davor, dass sich das System der internationalen Zusammenarbeit immer noch in einer Krise befinde, da sich die Entscheidungsmacht in der Hand einiger weniger Länder befinde. Die Weltgemeinschaft müsse sich der dringlichen Probleme gemeinsam annehmen, forderte der Papst.

Benedikt ist nach seinen Vorgängern Paul VI. und Johannes Paul II. erst der dritte Papst, der sich in New York direkt an die Diplomaten der Vereinten Nationen wandte. Er hielt seine Rede, die als Höhepunkt seiner sechstägigen USA-Reise gilt, abwechselnd auf Englisch und Französisch. Anlass war der 60. Jahrestag der Verkündung der Charta der Menschenrechte.

Solidarität mit den Schwächsten

"Das Einstehen für Menschenrechte ist nach wie vor der beste Weg, um Ungleichheiten zwischen Ländern und gesellschaftlichen Gruppen abzubauen und für mehr Sicherheit zu sorgen", sagte der Papst. Zu den Menschenrechten gehöre auch die Religionsfreiheit. Die UN mit ihrer Förderung des Friedens müsse ein "moralisches Zentrum sein, in dem sich alle Nationen der Welt wohl fühlen".

Eindringlich wandte sich der Pontifex dem Thema Unterentwicklung in der Dritten Welt, Umwelt- und Klimaschutz zu. Diese Herausforderungen verlangten gemeinsames Handeln der Internationalen Gemeinschaft und "Solidarität mit den schwächsten Regionen der Welt", sagte der 81-Jährige. Afrika und andere Entwicklungsländer liefen heute immer mehr Gefahr, "nur die negativen Seiten der Globalisierung zu erleben".

Weltgemeinschaft soll bei Konflikten eingreifen

Eindeutig trat Benedikt für das Recht auf Einmischung der internationalen Gemeinschaft bei Konflikten ein. "Jeder Staat hat die vorrangige Pflicht, seine eigene Bevölkerung zu schützen", sagte der Papst. Doch "wenn Länder nicht in der Lage sind, diesen Schutz zu gewährleisten, muss die internationale Gemeinschaft mit den in der Charta der Vereinten Nationen vorgesehenen Rechtsmitteln und mit anderen internationalen Instrumenten eingreifen".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beschwor in einer kurzen Begrüßungsrede die Gemeinsamkeiten zwischen der Kirche und der Weltorganisation. "Eure Heiligkeit, unsere Mission vereint uns auf so viele Arten mit Ihrer." Gemeinsame Ziele seien der Kampf gegen Armut, der Einsatz für Frieden und Freiheit und das Engagement für einen offenen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters