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Nichtraucherschutz: Rauchen gefährdet Ihre Kneipe

Verboten ist drinnen das Rauchen und draußen der Alkoholkonsum. Wo er erlaubt ist, fühlen sich Anwohner gestört oder werden Gäste gegängelt. Das Rauchverbot ist für viele Wirte der Tropfen, der ein volles Fass zum Überlaufen bringt - einseitige Betrachtungen vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Niels Kruse.

Andi Schmidt gibt nach 18 Jahren auf. Sein Laden auf der Hamburger Reeperbahn, das Molotow, eine Kaschemme mit miesem Sound aber liebevoller Live-Band-Auswahl wird Ende des Jahres schließen. Das Problem: Die Gäste trinken nicht mehr so viel, wie sie müssten, also wie Andi Schmidt es bräuchte. Für seinen Umsatz natürlich. Herr Schmidt sagt, die Leute würden zu sehr auf den Cent achten, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn an dem drohenden Aus seines alterwürdigen Klubs ist natürlich auch das Rauchverbot Schuld.

Und das geht so: Wer Rauchen will oder muss, zieht sich entweder in ein Kabuff mit der Aura eines begehbaren Aschenbechers zurück. Begehbare Aschenbecher aber genießen auch unter Rauchern einen zweifelhaften Ruf. Deshalb also raus. Dorthin aber dürfen an der Bar gekaufte Drinks nicht immer mitgenommen werden. Oder die Stadt macht ausnahmesweise mal ernst mit ihrem Alkoholverbot auf offener Straße nach 23 Uhr. So oder so steht der Gast doof da, mit Zigarette im Gesicht aber ohne Drink in der Hand.

Der verhängnisvolle Kaskadeneffekt

Was tun? Wer ohnehin schon einmal draußen ist, schlendert an die nächste Ecke, deckt sich dort mit einer Portion Alkohol ein. Doch dann setzt ein verhängnisvoller Kaskadeneffekt ein: Zum Bier noch eine Zigarette, und noch eine, dann ist plötzlich zu viel Zigarette da - ohne Bier, doch irgendeiner geht schon die nächste Runde holen. Beim Kiosk, an der Esso oder beim Penny. So geht das dann weiter und weiter, den ganzen Abend lang, und keiner will mehr was von Andi Schmidt. Außer ein paar Konzerte. Aber damit verdient er kein Geld, was schlecht für ihn ist.

Immerhin: Auf der Reeperbahn stört sich niemand daran, wenn die Leute aus lauter Jux und Dollerei nachts auf der Straße stehen. Die paar Anwohner wollen es ja nicht anders. Nicht so im Schanzenviertel, ein paar Fußminuten entfernt vom Kiez. Auch einer dieser Ecken, wo die Menschen früher einmal in Massen hingezogen sind, weil immer was los war. Heute beschweren sie sich darüber, weil immer was los ist. Über Raucher zum Beispiel, deren Qualm in die Wohn-, Kinder- oder Badezimmer zieht. Oder über die Lautstärke der Cafés und Bars, über die angeregter Gespräche. Über Anstoß-, Anmach- oder Anlasserlärm, immer ist es zu laut, zu stinkig oder beides. Im Zweifel rückt die Polizei an, schimpft, verhängt Bußgelder. Wer also nur mal schnell zum Rauchen raus will, setzt hier über kurz oder lang die Existenz des Wirts seines Vertrauens aufs Spiel.

Im Portugiesenviertel ist um elf Schluss

Zurück am Hafen, Dietmar-Koel-Straße im Portugiesenviertel. Eine andere Ecke Hamburgs, in der sich ein Café an das andere reiht. Dass hier um allerspätestens elf Uhr Schluss ist, daran haben sich Betreiber und Besucher gewöhnt. "Die Anwohner, sie wissen schon", heißt es dann, wenn Gästen kurzerhand der Drink aus der Hand gerissen wird, bevor der Wirt sie rauswirft. Doch die Stadt hat sich eine noch perfidere Gängelei ausgedacht. Optisch zu erkennen an blauen Markierungen auf dem Boden, die zentimetergenau anweisen, in welchem Rahmen sich die Außentische der jeweiligen Wirtschaft zu positionieren haben. Die Kneipiers achten penibel auf Einhaltung der Bannzone. Müssen sie, denn eine Grenzüberschreitung könnte teuren Folgen haben. Das heißt aber auch: Mal eben einen Stuhl von links nach rechts zu verrücken, um eine Zigarette einzunehmen, ist nicht drin.

Anderthalb Kilometer weiter westlich, am Fischmarkt, steht der Golden Pudel Klub. Noch so eine Tanzinstitution im Rot-Licht-Viertel. Hier schmeißt Viktor Marek den Laden, er wirkt etwas ratlos. Er selbst finde das Qualmverbot ja gut, auch wenn es ihm eigentlich egal sei ob die Leute in dem Laden nun rauchten oder nicht - Verbot hin oder her. Doch da hat der Wirt die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht: Denn was die Stadt mit ihrer Handvoll Kontrolleure nicht schafft, übernehmen die Rivalen kurzerhand selbst - die Bespitzelung des Wettbewerbers. "Was soll ich machen?", fragt Viktor. "Auch wenn es nur ein, zwei Leute sind - irgendjemand raucht ja immer außerhalb des Raucherraums." Und, schwupps, schon seien die Spione der anderen Wirte da und meldeten einen sofort beim Ordnungsamt. Maximale Strafe: 500 Euro pro erwischten Raucher.

Nun steht das Urteil des Verfassungsgerichts zum Rauchverbot in Kneipen an. ARD und ZDF übertragen live aus dem Gerichtssaal, das kommt auch nicht alle Tage vor. Zu sehen sein werden natürlich die rotberobten Richter sowie die Kläger Sylvia Thimm, Inhaberin des "Doors" in Berlin, Uli Neu vom Tübinger "Pfauen" sowie Wolfgang Wirsing, Chef der Heilbronner Großraumdisco "Musikpark". Sie fühlen sich unter anderem in ihren Grundrechten beschränkt, freie Geschäftsausübung etwa. Sie fühlen sich durch das Rauchverbot in ihrer Existenz bedroht, sich ungerecht behandelt, kurzum, der Qualmstopp ruiniere alles: Jobs, Familien, Betriebe, eine ganze Kultur.

Nur der berühmte letzte Tropfen

Molotow-Betreiber Andi Schmidt will dem Rauchverbot gar nicht die alleinige Schuld geben. Er ist auch vor der ausufernden Auflagenwut der Stadtoberen eingeknickt. Das Rauchverbot war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Das Molotow ist bereits der sechste namhafte Club, der in kurzer Zeit seine Schotten auf St. Pauli schließen wird. "Hier stirbt ein weltbekanntes Szeneviertel", sagt er, seufzt und überlegt, irgendwo hin zu gehen, wo einem nicht ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Er denkt dabei nicht an Deutschland.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(