HOME

Niederlande: TV-Gericht verurteilt den Papst

Osama bin Laden hatte sie noch davonkommen lassen, doch beim Papst kannte sie keine Gnade: Für die Jury des neuen niederländischen Fernseh-Aufregers "Advokat des Teufels" ist Benedikt XVI. Schuld an Millionen Aids-Toten.

Papst Benedikt XVI. ist in einer Gerichts-Show des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Niederlande für Millionen von Aids-Toten verantwortlich gemacht worden. Eine fünfköpfige "Bürger-Jury" befand dabei in der Nacht zum Donnerstag, der Papst sei "schuldig", weil er mit seinen Äußerungen gegen den Gebrauch von Kondomen die Ausbreitung der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids fördere.

Gegen einen solchen Schuldspruch argumentierte in der viel beachten neuen Reality-Show "Advokat des Teufels" der Amsterdamer Star-Anwalt Gerard Spong. Zum Auftakt der Serie vor einer Woche hatte er noch erfolgreich den Terroristenchef Osama bin Laden verteidigt.

In seinem Plädoyer für den Papst verwies der Anwalt darauf, dass die katholische Kirche Aidskranken helfe und sich gegen deren Stigmatisierung ausspreche. Zudem warnten auch einige Wissenschaftler, dass ständige Aufforderungen zum Kondomgebrauch Menschen indirekt zu riskanten Sex-Praktiken ermunterten.

Benedikt XVI. hatte Mitte März auf seiner ersten Afrikareise erklärt, dass Aids nicht mit Kondomen zu besiegen sei, sondern diese vielmehr "das Problem noch verschlimmern". Wichtiger als Verhütungsmittel sei ein Lebenswandel nach moralischen Maßstäben. Die Äußerung hatte eine Welle von Protesten ausgelöst. In Afrika leben 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt, 17 Millionen sind dort schon an Aids gestorben.

Einstimmig befand die "Bürger-Jury" im Sender Nederland 2, dass der Heilige Vater auch zu verurteilen sei wegen Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen. Einen "Freispruch" erreichte Verteidiger Spong im dritten Anklagepunkt, wonach sich der Papst durch eine angeblich nur zögerliche öffentliche Distanzierung von dem Holocaust- Leugner Richard Williamson einer "Legitimisierung des Antisemitismus" schuldig gemacht habe.

Die Reality-Serie hatte beim Start am Mittwoch vergangener Woche mit einem "Freispruch" für den meistgesuchten Terroristenführer der Welt für Aufsehen gesorgt. Anwalt Spong hatte sich dabei mit der Argumentation durchgesetzt, es sei nicht hinreichend bewiesen, dass Osama bin Laden Drahtzieher der Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA war.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel