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NS-Mahnmahl: Gedenkstätte für schwule NS-Opfer

Die verfolgten Homosexuellen der NS-Zeit bekommen noch dieses Jahr ein eigenes Mahnmal. Darauf einigte sich Kulturstaatsminister Neumann mit Schwulen- und Lesbenverbänden. Auch der Standort in prominenter Nachbarschaft steht schon fest.

Das Mahnmal für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen soll noch in diesem Jahr errichtet werden. Das teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Berlin nach einem Treffen im Kanzleramt mit, an dem unter anderem der Schwulen- und Lesbenverband und die Autoren des Entwurfs teilnahmen. Nach übereinstimmenden Angaben der Beteiligten wurde Einigkeit über die Ausgestaltung erzielt. Das Mahnmal wird aus einer geneigten Stele mit einer integrierten Video-Präsentation bestehen und seinen Platz gegenüber dem Holocaust-Mahnmal am südlichen Rand des Tiergartens finden. In der Video-Präsentation sollen abwechselnd küssende Männer und Frauen zu sehen sein. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass bereits ein Kuss unter Homosexuellen im Nationalsozialismus strafbar war, und zugleich gegen die noch immer stattfindenden Ausgrenzungen schwuler Männer und lesbischer Frauen Stellung bezogen werden.

Das Land Berlin hat das Grundstück für die Plastik zur Verfügung gestellt; der Bund gibt 600.000 Euro zur Finanzierung, wie Neumann mitteilte. An den Planungen waren der Lesben- und Schwulenverband, die Initiative "Der homosexuellen Opfer gedenken" sowie das mit dem Entwurf beauftragte Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset beteiligt. In den Diskussionsprozess waren ebenfalls die zuständigen Verantwortlichen aus allen Bundestagsfraktionen einbezogen. Die Künstler haben ihren prämierten Entwurf "überzeugend weiterentwickelt", wie es in der Mitteilung Neumanns hieß.

Alle zwei Jahre neue Videos

Im Nationalsozialismus konzentrierte sich die Verfolgung auf Grund von Homosexualität auf Männer. Dafür stehe das Startvideo eines küssenden Männerpaares. Der nunmehr beabsichtigte Videowechsel im Zwei-Jahres-Rhythmus gestattet es aber auch, Bilder von Frauen zu zeigen, und damit den Blick besonders auf die dritte Aufgabe des Gedenkortes zu lenken, für die heutige Zeit ein Zeichen gegen Ausgrenzung von Schwulen und Lesben zu setzen. Dieser Vorschlag wird auch der jüngsten Kritik gerecht, dass die Lesben bei dem bisherigen Entwurf ausgegrenzt seien.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte: "Mit der Errichtung eines zentralen Denkmals in der Bundeshauptstadt wird entsprechend dem Beschluss des Deutschen Bundestags nun auch der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus öffentlich gedacht. Mit diesem künstlerischen Entwurf ist eine würdige Form der Erinnerung an diese Opfer gefunden worden." Der Schwulen- und Lesbenverband LSVD nannte das Ergebnis der Runde "sehr erfreulich". Der Unterhändler des Verbandes, Günter Dworek, sagte anschließend, durch den Wechsel der Videos werde das Kunstwerk "frisch gehalten" und die Attraktivität erhöht.

AP / AP