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Offene Tür im Limburger Bischofssitz: "Wo ist denn hier der Prunkbau?"

Prunk und Protz. Die neue Residenz des Limburger Bischofs gilt schon jetzt als Monument der Verschwendung, der Würdenträger als Luxus-Süchtiger. Doch Besucher des Baus erlangen einen anderen Eindruck.

Das Interesse an der neuen, angeblich viel zu großen und teuren Residenz des Bischofs ist enorm. Schon lange vor Beginn der ersten Führung am Morgen sind die Karten vergriffen. 20 Leute pro Führung werden eingelassen, mehr passen nicht in die teils kleinen Räume, wie Bistumssprecher Stefan Schnelle erklärt. Wegen der Enge sollten ursprünglich auch die Journalisten draußenbleiben. Für sie gab es schon eine Besichtigung, und dieser Termin sollte "normalen" Besuchern vorbehalten sein. Doch schließlich besinnen sich die Verantwortlichen und Journalisten dürfen sich der wartenden Schar an die Ferse heften.

Die Neugier der Besucher ist groß, viel haben sie schon über den aufwendig sanierten Gebäudekomplex gegenüber dem Limburger Dom gelesen und gehört. Protz und Prunk wurden Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vorgeworfen. Doch wer die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne erwartet hat, wird enttäuscht.

"Da ist ja mein Büro größer"

"Wo ist denn hier der protzige Bischofssitz?", fragt Carl-Heinz Wopperer. Der Radwanderer aus Bayern hat sich spontan der Führung angeschlossen. "Da sollte man sich mal die Residenz in Würzburg anschauen", fügt der 67-Jährige hinzu. Berichte über die Kritik an dem Limburger Bischof sind bis nach Bayern gedrungen.

Beim Gang durch die Amtszimmer müssen sich die Besucher mitunter zusammendrängen, teilweise ist es tatsächlich sehr eng. "Das ist neu und gediegen, aber kein Luxus", findet Bruno Diedert aus Koblenz. Im Büro des Bischofs entfährt es ihm: "Das ist ziemlich bescheiden. Da ist ja mein Büro größer." Sein Eindruck verstärkt sich beim Besuch eines Zimmers mit Dachbalken über dem Büro. "Das ist ja ärmlich."

"In den Gemeinden wird gespart"

Nun, ärmlich sicher nicht- und auch der Ausdruck bescheiden wäre eine Untertreibung. Die Ausstattung ist offenkundig nicht von Ikea. Die verwendeten Materialien machen einen edlen, eleganten und teuren Eindruck. "Gediegen, aber kein Luxus", meint Besucher Diedert. Überhaupt sind die Anhänger des Bischofs bei der ersten von zehn Führungen, die sich bis zum Abend über den ganzen Tag verteilen, eindeutig in der Mehrheit. "Hier wurde viel Geld für etwas Schönes ausgegeben. Und das ist auch in Ordnung", findet Rita Beer aus Waldbrunn im Westerwald. "Das ist absolut kein Luxus."

Offene Kritik äußert nur ein Besucher. "Hier ist es prunkvoll", betont er und deutet auf den schön ausgestatteten Versammlungsraum im Keller unter der Kapelle. "Mit dem Geld hätte man auch etwas anderes anfangen können." Was denn zum Beispiel? "Man hätte es zum Beispiel den Armen in Indien geben können", sagt er unter Anspielung auf den umstrittenen Erste-Klasse-Flug des Bischofs nach Indien.

Seinen Namen will der Kritiker nicht nennen. Er sei Verwaltungsrat einer Pfarrgemeinde in der Nähe von Limburg. Dort, an der Basis, regiere der Rotstift. "In den Gemeinden wird gespart. Bei einer Renovierung haben wir die Farbe selbst bezahlt, und zum Pinsel haben wir auch selbst gegriffen."

Bischof schüttelt viele Hände

Zum Ende der Führung mischt sich der Bischof unter die Gruppe, schüttelt die Hände und findet für jeden ein freundliches Wort. "Wir haben nichts zu verstecken", sagt er. Er habe schon viele Besucher und auch Journalisten empfangen, erklärt der 53-Jährige. Das Lob der Besucher für sein neues Domizil freut ihn sichtlich. "Tragen Sie es weiter, seien Sie Brückenbauer", sagt er zu Mitgliedern seiner Diözese. Er sehe die Residenz als "Haus des Dialogs und der Gastfreundschaft".

Und genau das - ein Haus des Dialogs - sollte die Residenz schon an diesem Freitag werden, wenn ihm eine Abordnung aus seiner Diözese einen Offenen Brief übergibt, in dem seine Amtsführung kritisiert wird. Über 4000 Kirchenmitglieder haben das Schreiben bislang unterzeichnet, das in Frankfurt, der größten Stadt des Bistums Limburg, seinen Ausgang nahm. Empfangen wird der Bischof seine Kritiker in einem seiner vielen Besprechungszimmer. Dort kann sich die Delegation der Frankfurter Katholiken dann selbst ein Bild von der neuen Residenz machen.

Michael Bauer/DPA / DPA