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Oktoberfest und Flüchtlinge in München Na servus, bald kommen auch noch die Wiesn-Besucher


Nur noch sechs Tage bis zum Oktoberfest. Dann treffen am Münchner Hauptbahnhof täglich Tausende Flüchtlinge und Massen von Wiesn-Besuchern aufeinander. Vor der bayrischen Landeshauptstadt liegt eine Herkulesaufgabe.

Allein der Andrang von sechs Millionen Besuchern des Oktoberfests ist für München alljährlich eine große Herausforderung. Wenn die Wiesn am kommenden Samstag (19. September) beginnt, stehen die Behörden angesichts der vielen Flüchtlinge, die derzeit am Hauptbahnhof der bayerischen Landeshauptstadt ankommen, vor einer besonderen Aufgabe. Innenminister Joachim Herrmann hatte deshalb eine deutliche Verstärkung der Bundespolizei in Bayern verlangt. "Wenn vor allem abends und am Wochenende dann stark alkoholisierte Wiesnbesucher auf so viele Flüchtlinge treffen wie in den letzten Tagen, könnte es eng werden", hatte er gesagt. 

Für die Bahn bedeutet das größte Volksfest der Welt ohnehin eine Ausnahmesituation. Sie verlängert Züge und setzt Sonderzüge ein. Rund zwei Millionen Gäste werden an den 16 Festtagen per Zug Richtung Theresienwiese und nach Hause fahren. Deshalb sollen Züge mit Asylsuchenden möglichst an München vorbeifahren. "Wir haben das Ziel, die unterschiedlichen Personengruppen weitgehend zu trennen, um Konfliktsituationen erst gar nicht entstehen zu lassen", sagte Minister Herrmann. Es gebe keine Hinweise, dass unter den Flüchtlingen auch islamistische Gewalttäter seien, sagte der CSU-Politiker. 

Für das Oktoberfest waren bereits 2009 nach Terrorwarnungen Sperrgürteln um das Festgelände errichtet worden. Unter anderem versperren Blumenkübel aus Beton die Zufahrt. Das Sicherheitskonzept wird bereits seit 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und angepasst.

Besucherströme sollen beim Oktoberfest umgeleitet werden 

Auf der Festwiese sollen erstmals die Besucherströme bei absehbarer Überfüllung der Wirtsbudenstraße schon an den Hauptzugängen umgeleitet werden. Bei den Neuigkeiten wartet das Volksfest mit Hightech-Fahrgeschäften auf: Die weltweit höchste und schnellste Megaschaukel, das höchste transportable Hochhaus mit einem Roller-Parcour am nahen Abgrund und die größte mobile Geisterbahn gehören zum Programm.

Auch im kulinarischen Bereich dehnt das vor allem für Bier, Brezn und Hendl bekannte Volksfest seine Palette in neue Bereiche aus. Vegan wird immer mehr salonfähig, und bei den anderen Spezialitäten greifen Gastronomen und Standlbesitzer tief in die Ideenkiste: Es gibt Weißwurst-Leberkäs, Biereis, Zuckerwatte in Blumenform - und für Diabetiker mit Birkenzucker gebrannte Cashew- und Macadamia-Nüsse.

Wiesn-Zelte werden keine Flüchtlingsunterkünfte

Neben dem regulären Oktoberfest präsentiert sich die Oide Wiesn mit besonders viel Tradition und Gemütlichkeit - und mit nostalgischen Fahrgeschäften wie dem Motodrom von 1928 mit seinen Steilwandfahrern.

Der Wirtschaftswert ist laut Wiesnchef Josef Schmid (CSU) für dieses Jahr erneut mit einer Milliarde Euro prognostiziert, so hoch wie 2008. Die Maß Bier ist erstmals nicht unter zehn Euro zu haben. Die Preise liegen zwischen 10,00 und 10,40 Euro.

Das Oktoberfest endet am 4. Oktober. Die Bierzelte anschließend zu Notunterkünften für Flüchtlinge zu machen, ist nicht geplant. "Sie sind nicht für Schneelast ausgelegt in ihrer Statik - und in ihrer Höhe und Größe nicht geeignet, dass man sie beheizt", sagt der Fachbereichsleiter Veranstaltungen im Münchner Wirtschaftsreferat, Hans Spindler. Der Gedanke sei bereits einmal zu Zeiten der Wende geprüft - und aus denselben Gründen verworfen worden.

mai/DPA

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